#33 Yade Yasemin Önder liest: Anti Müller

Shownotes

Was bleibt vom Feminismus, wenn es um Liebe, Fortpflanzung und Macht geht? In „Anti Müller“ nimmt Yade Yasemin Önder die Widersprüche moderner Beziehungen und eines vermeintlich aufgeklärten Kulturbetriebs in den Blick.

Im Zentrum des Romans eine 35-jährige Autorin, die nach dem Scheitern ihrer langjährigen Beziehung vor den Trümmern eines aufgeschobenen Kinderwunsches steht. Während sie sich durch Tinder-Dates, Affären und eine Gesellschaft bewegt, die Gleichberechtigung verspricht, aber alte Muster fortsetzt, wächst ihre Sehnsucht nach einem Kind zur Obsession. „Anti Müller“ erzählt von performativ-feministischen Männern, von Verantwortungsverweigerung in Beziehungen und vom biologischen Zeitdruck, dem Frauen ausgesetzt sind. Dabei verbindet Önder bissigen Humor mit scharfer Gesellschaftsanalyse und zeichnet das Porträt einer Frau, die zunehmend bereit ist, Grenzen zu überschreiten.

„Anti Müller“ steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2026. Die Lesung fand am 18. Juni 2026 im Gartensaal des Lessinghauses der Herzog August Bibliothek statt.

Yade Yasemin Önder studierte nach dem Abitur auf zweitem Bildungsweg Literatur- und Erziehungswissenschaften an der HU Berlin, Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihr erstes Theaterstück »Kartonage« wurde 2017 am Wiener Burgtheater uraufgeführt. Ihr Debütroman „Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“ (2022, KiWi) wurde mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE und dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den ZDFaspekte-Literaturpreis.

Foto: Yade Yasemin Önder. © Julia Sellmann

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Transkript anzeigen

00:00:05:

00:00:18: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Hab Gehört, Miets hab gelesen.

00:00:24: Am achtzenden Juni war Jade Yasemin Önder zur Gast im Lessinghouse der Herzog August Bibliothek und hat ihren Roman Antimüller vorgestellt.

00:00:33: Und wie das war?

00:00:34: Hören Sie jetzt!

00:00:41: Herzlich Willkommen Im Gartensaal des Lessinghauses.

00:00:45: Mein Name ist Marie Adler und ich darf Ihnen heute die wundervolle Jade Yasemin Önder vorstellen.

00:00:51: Jade studierte Literatur- und Erziehungswissenschaften an der HU Berlin, literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin.

00:01:03: Ihr erstes Theaterstück, Cartonnage wurde zu den AutorInnenTagen im Jahr zwei Tausend Siebzehn eingeladen und am Wienerburg Theateruhr aufgeführt.

00:01:12: Mit ihrem Debüt-Roman, wie ihr wissen wir könnten und fallen Synchronen.

00:01:17: Davon habe ich gerade erfahren das der Vergriffen ist.

00:01:20: Wir haben hier aber noch fünf Exemplare vor

00:01:22: Ort.

00:01:25: Gleich wird ein Hype ausbrechen genau.

00:01:28: Dafür wurde sie vielfach ausgezeichnet unter anderem mit dem Debütpreis der Lit Cologne.

00:01:33: Heute wird Jade aus ihrem zweiten kürzlich erst erschienenen Roman Anti Müller lesen.

00:01:41: Antimüller erzählt von performativ feministischen Männern, von Verantwortungsverweigerung in Beziehungen und vom biologischen Zeitdruck den wir Frauen ausgesetzt sind.

00:01:53: Im Zentrum des Romans steht eine thirty-fünfjährige Autorin die auf der Suche ist, intensiv auf der suche nach einem Vater für ihre noch ungeborenen Kinder aber auch auf deruche nach Verbindlichkeit Zugehörigkeit Wertschätzung Wie sie leider immer wieder enttäuscht, wütend und verzweifelt feststellt sind die Männer in diesem Roman aber weder willens noch in der Lage ihr irgendetwas davon zu geben.

00:02:20: Das Schmälert den Wunsch und das Bedürfnis in keinster Weise sondern der Wunsche wird immer drängender existenzieller und treibt die ich erzählerin und auch uns als Leserschaft nur so durch den Romanen in immer extremere Situationen.

00:02:34: Ich freue mich riesig liebe Jade dass du uns heute mitnimmst in dieses kluge und wilde Buch.

00:02:40: Wie ich schon gesagt habe, ist die Buchhandlung Bücherbär vor Ort.

00:02:43: Wir laden Sie also herzlich einen nach der Lesung noch zu bleiben vielleicht ein Glas Wein zu trinken und auch eines dieser beiden wunderbaren Bücher zu kaufen.

00:02:52: Begrüßen sie noch einmal ganz herzlich mit mir gemeinsam Jade Önder!

00:03:16: Leseprobe.

00:03:18: und zwar lese ich den Anfang.

00:03:20: Eins

00:03:24: Es fängt doch schon wieder so an, dass er einen bodentiefen Ledermantel trägt und damit aussieht wie ein Gespenst.

00:03:30: So schwebt der am Kanal entlang und lässt gleich das nächste Opfer unter seinem Lagen verschwinden Wahrscheinlich weil er Hunger hat.

00:03:38: Bestimmt ist er unersättlich.

00:03:39: Schon seinen Tinder-Profil klang ja wie gespenster Geheimsprache oder eine Einkaufsliste Ein A. Und dann hat er auch mit mir so geschrieben, als könnte er seinen Knast nicht mehr aushalten.

00:03:54: Hallo wie geht's?

00:03:55: Hattet ich noch versucht und er schnell Danke!

00:03:58: Mittwoch, dreizehn, fünfzehn Uhr, zweiundzwanzig dreißig.

00:04:01: Passt da was?

00:04:03: Erst dachte ich, Mittwochs ist doch Valentinstag und dann okay... Da ist ein Fremder der sagt mir durch die Blume seiner Einkaufslistigkeit dass er mit mir schlafen will.

00:04:14: Durch eben diese Blume stupst sich seine Penesspitze.

00:04:17: Okay, dachte ich – okay!

00:04:19: Dann werde ich übermorgen also einen One-Eyed-Stand haben und betete mir zur Beruhigung die Definition von Liebe

00:04:25: vor.".

00:04:27: Liebe ist die Illusion das die aktuelle Beziehung hält.

00:04:30: Zur Desillusion wird sie nur durch eine neue Illusion in Form der nächsten Liebe.

00:04:35: Amen Ich habe lang genug darauf gewartet dass Karl die Trennung rückgängig macht.

00:04:40: jetzt kommen glücklichere Tage.

00:04:43: Jetzt lerne ich jemand neuen kennen und mit dem werde ich Sex haben.

00:04:46: Guten, besseren als mit K. Dann verliebe ich mich in ihn und wir werden heiraten und Kinder kriegen und ich kann K endlich auf den Mond schießen wo er hingehört.

00:04:56: Zur Begrüßung umarmen wir uns.

00:04:58: Es sind minus fünfzehn Grad.

00:05:00: Die Menschen freuen sich über den zugefrorenen Kanal.

00:05:03: die halbe Stadt steht auf dem Eis.

00:05:06: Ich hatte eben noch Bedenken geäußert weil in dieses Wasser wirklich niemand krachen und erst recht nicht dort ertrinken will.

00:05:12: ist es wirklich kalt genug?

00:05:14: Aber Andi, so stellt er sich vor besitzt Überzeugungskünste und schleift mich mit.

00:05:19: Andi sagt Sätze.

00:05:21: Ich kann ihm nicht folgen allem voran wegen dieser Augen links blau rechts braun.

00:05:27: Außerdem muss ich wissen wie seine Zähne und Haare aussehen ob er wirklich fünfunddreißig Jahre alt ist welche Wege sich seine Falten bereits erkämpft haben Und ob er überhaupt Schuhe trägt So als gespenst Da sein Rucksack.

00:05:39: was es da drin.

00:05:41: Will er wirklich nur Sex?

00:05:42: Will er überhaupt Sex, weil ich weiß ja nicht mal ob er mich gut und schön findet.

00:05:46: Schläft er nur mit Menschen die er gut und Schön findet oder mit allen bei denen es sich anbietet?

00:05:51: Mit welchen Menschen habe ich geschlafen?

00:05:54: Mit jenen von denen ich annahm dass sie mir bald etwas bedeuten würden?

00:05:58: Oder höre ich ihn plötzlich und ich nur was?

00:06:01: Ja voll!

00:06:03: Andy verrät das er freier Schauspieler ist.

00:06:07: Er erzählt von seiner Arbeit an verschiedenen Theatern, dass er gerade aus Stockholm kommt.

00:06:11: Filmdreh betont er und von den zwei Serien in denen er bald zu sehen sein wird.

00:06:16: Auch das Synchron sprechen und die bevorstehende Premiere in München lässt er nicht unerwähnt.

00:06:21: Mir stellt er keine Frage, keine einzige also streue ich ungefragt ein, dass auch ich was mit Theater zu tun habe paar Stücke geschrieben sage Ich.

00:06:31: Der Winkel seiner Augenlieder vergrößert sich prompt.

00:06:34: Da steht ja ein Mensch vor ihm, merkt er, glaube ich plötzlich eine annehmbare Größe.

00:06:39: nicht mehr bloße Ablenkungen und mögliche Befriedigung sondern eine waschechte Frau und Künstlerin.

00:06:45: kennt man die fragt er und steckt sich eine Zigarette an.

00:06:49: Ich erzähle zurückhalten so, als wäre es nichts Großes von der Uraufführung in den Münchner Kammerspielen und dem Pfauen in Zürich.

00:06:56: Währenddessen laufen wir unter der Lohmühlenbrücke durch – da wird es kurz dunkel.

00:07:02: Das Theater habe ich vorerst an die Nagel gehängt, sage

00:07:04: ich.".

00:07:05: Jetzt endlich wieder die gleißende Helligkeit von Sonne und Eis.

00:07:09: Der Nachmittag, die Schlittschuhe Menschen freuen sich am Dreiländereck Freuen sich über die Extremtemperaturen.

00:07:16: It's so nice lachen sie.

00:07:17: Und auch wir beginnen uns zu freuen Beginnen uns übereinander zu freuen.

00:07:21: Wir schenken uns plötzlich eine Aufmerksamkeit.

00:07:25: Das muss gefeiert werden.

00:07:26: oder wollen wir nur die Hemmung verlieren?

00:07:28: Egal.

00:07:29: Wir holen uns zwei große Bier, an deren sechs Grad wir uns fast wärmen können.

00:07:33: Krass oder?

00:07:34: Lachen wir!

00:07:35: Wir lachen über die Eiseskälte durch die wir jetzt schon über eine Stunde laufen, über seine rote Nase und meine blauen Lippen, dass er seine Füße nicht mehr spürt.

00:07:43: Über meinen Lieblingswitz.

00:07:44: lachen wir auch über eine Joggerin in Radlerhose und über die Mutter seiner Kinder.

00:07:50: Moment mal du bist Vater.

00:07:53: Zwillinge lacht er zehn Jahre schon... Am Rand knackt das Eis.

00:07:58: Alle erschrecken, aber dann Fehlalarm schreit einer.

00:08:02: Trotzdem nimmt Andi meine Hand und flüstert Dich lass ich nicht einstürzen.

00:08:07: Und dann dass er von der Mutter der Zwillinge getrennt lebt Erleichterung Aber warum eigentlich?

00:08:13: Er sieht nicht mal sonderlich gut aus.

00:08:15: Kantige Stirn, rebraune Haare Augen wie ein Psychopath.

00:08:18: Ich stelle mir vor Dass er ausschließlich die Massenmörderrollen bekommt.

00:08:22: Groß ist er immerhin, aber Körperhaltung wie ein geprügelter Hund geduckt in Erwartungen vor der nächsten Abreibung.

00:08:30: Und trotzdem immer wieder ankommend, schwanzwedelnd seine Nase überall hineinsteckend will auch er etwas von dem er weiß dass er dafür gleich wieder verdroschen wird?

00:08:40: Jedenfalls knöpft er seinen beischen Ledermantel auf um etwas aus der Innentasche zu holen.

00:08:44: In diesem Moment denke ich da würde ich ganz drunter passen!

00:08:50: Ach nichts, schmunzle ich.

00:08:53: Es ist nur sehr, sehr kalt!

00:08:54: Wohin gehen wir jetzt?

00:08:55: Wohinhin sind es überhaupt noch minus fünfzehn Grad?

00:08:58: oder ist es noch kälter geworden?

00:09:00: Wir kommen an einem Supermarkt vorbei.

00:09:02: da muss er eh etwas für das Dinner mit seinen Friends einkaufen.

00:09:06: was Gespenster wohl so essen frage ich mich Essen die überhaupt?

00:09:10: und wer sind diese friends?

00:09:11: immerhin hat welche angeblich Während er durch die Fleisch- und Gemüseabteilung schwäbt wird mir endlich wärmer.

00:09:19: Ich kaufe uns noch zwei Bier.

00:09:22: Aus seinem Rucksack ragt ein Stangen-Sellerie.

00:09:24: Im Rucksacks hockt ein Huhn, ich schneide das Thema Liebe an Dass er in einer offenen Beziehung ist und die beiden aber echt unterbrechig scharf.

00:09:33: Das hast du ja gar nicht in dein Profil geschrieben.

00:09:36: Er versteht nicht ob denn in meinem Profilstunde dass sich keinen Freund habe.

00:09:41: also falls dem so sei Nein natürlich hab' ich kein Freund Und außerdem ist es was anderes.

00:09:46: Wie denn anders?

00:09:48: Schweigen?

00:09:49: Also bist du doch noch mit der Mutter deiner Kinder zusammen?

00:09:52: Oh Gott, es will nein!

00:09:53: Mit einer anderen.

00:09:54: Und dann klingelt sein Telefon.

00:09:56: Sorry da muss ich kurz ran.

00:09:58: Ich wink ihm ein OK zu das er schon nicht mehr sieht.

00:10:03: Wir sitzen in meiner Küche und trinken Tee mit Haselnussschnapps.

00:10:06: Es ist Nacht geworden.

00:10:08: Andi hat sich obwohl ich nicht wollte in meine Wohnung geschlichen Klassischer Gespenstermove.

00:10:14: Jetzt sitzen wir nebeneinander am Fenster, schauen abwechselnd raus und einander in die Augen.

00:10:19: eine Kerze brennt fast romantisch haben nichts zu Abend gegessen.

00:10:23: vier leere Bierflaschen stehen da.

00:10:26: Wir rauchen eine nach der anderen tanzen gedanklich umeinander herum obwohl ich vorhin klipp und klar gesagt habe dass sich nie wieder mit jemandem schlafe der in einer offenen Beziehung ist.

00:10:35: aus Prinzip Mit solchen Schwachköpfen die sich selbst nie reichen will ich überhaupt nichts mehr zu tun haben.

00:10:42: Andererseits, wann wenn nicht jetzt komme ich los von K. Wann wenn nicht Jetzt ist Zeit für den ersten Sex nach der Trennung ein Loslösungsfick, einen Neuanfang?

00:10:51: Wann, wann?

00:10:53: Wir schauen uns drei Schluck Teelang in die Augen.

00:10:57: Es läuft nicht gut.

00:10:58: falls sich das beruhigt schnauft er.

00:11:00: Was schnaufe Ich zurück.

00:11:02: wir werden uns trennen denke ich.

00:11:05: wieso sollte mich Das beruhigen?

00:11:07: vielleicht sind wir sogar schon getrennt.

00:11:09: Da stürze ich mich auf ihn.

00:11:11: Er schmeckt nach Haselnuss und Gras, riecht nach Frühlingswiese.

00:11:14: Ich umarme ihn, er zieht mich aus – ich lasse es zu Schon bin nicht nackt, setze mich auf den noch vollständig Bekleideten Und vergesse jetzt endlich K II.

00:11:27: Es hat funktioniert.

00:11:28: Das Gespenst ist ausgeflogen und hat den Geist von K gleich mitgenommen Obwohl K ja leider noch quick lebendig ist.

00:11:34: Aber egal denn für mich ist der ein für alle Mal gestorben.

00:11:37: K is tot.

00:11:39: Schnell duschen jetzt, Bettwäsche waschen, Küche putzen.

00:11:42: Alles von Andi befreien und lachen über heute Nacht Von wegen gespenst dahinter lassen keine Spuren.

00:11:48: Aber anstatt zu lachen fange ich an zu weinen zeige mir den Vogel im Spiegel Heule irre durch die Wohnung kreise den Bett schoner runter.

00:11:55: Warum so wüten Frau Autorin?

00:11:57: Was sagt die Wut fragt der eingebildete Psychoanalytiker und ich antworte, ich weiß es nicht du Klugscheiß aber mit K kann es nichts zu tun haben.

00:12:05: Gar nichts!

00:12:06: Denn er ist für mich gestorben Und an Tote denkt man besser nicht.

00:12:09: Sonst kommen sie als Untote zurück und gehen einem erst recht auf die Nerven.

00:12:13: Auch der flatterige Andi muss jemand das Ruf gefolgt sein vermutlich auf Tinder und da ird er nun herum und sucht die Person, die ihn von seinem Fluch erlöst.

00:12:22: Der Arme weiß einfach nicht, dass Dating-Apps nur Echo-Kammern sind und die Personen, die ihr sucht ja immer nur er selbst ist.

00:12:29: Tragisch!

00:12:30: Aber gut ich schüttle alles ab.

00:12:32: Tabula rasa War ich schon duschen?

00:12:35: Egal Ich gehe einfach nochmal.

00:12:37: Heute werde ich die sauberste Person der Welt Und meine Wohnung soll glänzen wie ein Spiegelschloss Genug der Märchenvergleiche Denn jetzt klopft die Realität an.

00:12:47: Die Realität einer Künstlerin ist Ihr Kunstwerk.

00:12:51: Ich schreibe jetzt also einen Roman über K, denn was der kann, Romane schreiben, kann ich schon lange und vor allem besser.

00:12:58: Ich werde über die Ungerechtigkeiten und Inkonsistenzen all jeder Männer schreiben, die sich als beflissende Feministen

00:13:04: bezeichnen.".

00:13:06: Ich werde Ihre weichgespülten Körper aufs Tablett legen, Sie bis auf die Unterhose entkleiden.

00:13:11: Nicht weiter denn das eigentliche brauche ich nicht zu sehen.

00:13:14: dass sie Männer sind und immer bleiben müssen sie mir nicht beweisen!

00:13:17: Ich werde ihre Lügen heraus operieren und ihre Ego-Manise ziehen Bilder von ihren Beschaffenheiten machen und sie in mein Buch kleben das sich Autopsie des Feministen nenne.

00:13:27: Ich werde Zettel drucken die an Ihren großen Zähnen anbringen und auf denen steht Achtung hier verstarb ein Lügenbaron.

00:13:35: Oder ich werde Sie gleich in die Wallachai schicken und als Vorreiter dieser pseudo-feministischen Bewegung K. zum König kühren!

00:13:41: Er wird ein Land regieren, das im Tal des Schleimes liegt – und alle Feministen werden sich von dieser Zähnflüssigkeit ernähren.

00:13:48: Im Nebenfluss Lars werden sie sich die Nägel lackieren indem sie ihre Feministenfinger dort hineintauchen.

00:13:54: Damit können Sie alles Unerwünschte einfach abrallen lassen.

00:13:57: Es ist die perfekte Uniform für das Königreich K. Zurück Zu den Tatsachen.

00:14:03: Andi hat sich gemeldet, dritter, vierter, siehmoein, dreißig.

00:14:06: Textnachricht Wenn du Lust und Zeit hast.

00:14:09: Ich mach mal wieder ein Dinner für Friends.

00:14:12: Wird mich freuen wenn du auch kommst.

00:14:15: Cousins Die Angements leuchten mir nicht ein.

00:14:19: Und wer sind die Friends?

00:14:21: Was wird gekocht?

00:14:22: Nachrichten um halb acht morgens.

00:14:24: Soll ich auch ein Friend werden?

00:14:26: oder wie will er mich vorstellen?

00:14:28: Überhaupt einen Wiedersehen Eine Nacht vor zwei Monaten und jetzt das CUS A?

00:14:33: Viele Fragen.

00:14:34: Ich schaue in den Flurspiegel, heute sehe ich gut aus!

00:14:38: Die Haare in Wellen lang über die Schultern... ...ich fixiere sie mit Haarspray damit Sie bis heute Abend so bleiben und sage zu.

00:14:46: Danke.

00:14:54: Danke Jade.

00:14:56: Die ich erzählere, die ja wenn ich nichts verpasst habe keinen eigenen Namen bekommt außer diesem fürchterlichen Spitznamens Spice Girl an irgendeinem Punkt.

00:15:07: die betet sich zu Beginn vor, dass Liebe Quatsch ist.

00:15:11: Das es eine Illusion ist etc.

00:15:13: und sie stellt sich auf einen One-Night-Stand ein der irgendwie unvermeidlich auf sie zukommt.

00:15:17: gleichzeitig fällt ihr aber der Valentinstag ein und beim Lesen dachte ich so ja!

00:15:25: So geht's uns Frauen Und die Männer haben es viel leichter und das macht dann auch so ne Wut.

00:15:31: Aber stimmt das so?

00:15:33: Oder ist das auch sehr wie ein näherer Stereotyp, den wir vielleicht abstreifen müssten.

00:15:39: Also ich glaube diese Lesart kann sich schon aufdrängen auf jeden Fall aber ich habe eigentlich versucht eine in diesem Roman eigentlich alle Figuren so ambivalent wie möglich darzustellen.

00:15:51: Also es ist schon ein Buch, in dem auf eine Art mit diesen pseudo-feministischen Männern abgerechnet wird die also gerade auch aus der Kulturwelt kommen.

00:16:01: das ist ja K. S. Schriftsteller Der Ex-Freund und Andi den sie kennenlernt ist Schauspieler.

00:16:08: Und in dieser Berliner Kulturbubble gibt's doch sehr viel Heuchlerei und das war mir irgendwie auch wichtig mal zu zeigen in einem Text.

00:16:18: und genau das sind halt so Männer, die auf Podien sitzen und über feministische Themen schvadronieren sozusagen.

00:16:27: Und dann danach nach der Veranstaltung irgendwie Tinder anschmeisten und One Night's Dance haben und danach die Person Ghosten sehr platt jetzt formuliert aber es soll auf keinen Fall alles sein.

00:16:37: also sowohl diese Männer haben auch ihre guten Seiten und ihre Zugewandtheit.

00:16:44: Und genauso habe ich versucht die Icherzählerin so ambivalent wie möglich darzustellen, weil ich glaube eine der Kernthemen vielleicht in diesem Buch ist auch die Ambivalenz irgendwie.

00:16:55: Beim Schwadronieren ist mir auch diese Szene eingefallen wo der Andi monologisiert darüber was für ein

00:17:02: toller Hengster

00:17:03: ist, was er alles für Engagement hatte und die Icherszählerin sagt als wäre es nichts Großes ein paar Stücke geschrieben.

00:17:12: Da habe ich dann doch wieder gedacht, was ist nun los mit uns Frauen?

00:17:15: Es macht dann doch dieses männlich-weibliche sehr auf.

00:17:18: aber du hast recht und das fällt mir eigentlich erst jetzt auf dass alle doch sehr ambivalent sind.

00:17:26: Auch so als wäre es nichts Großes.

00:17:29: So ganz nebenbei sagt sie nach dieser Nacht oder in der Beschreibung dieser Nacht dass Andi sich so mit reingeschlichen hat, obwohl sie eigentlich nicht wollte.

00:17:40: Und am nächsten Tag duscht sie mehrfach, putzt alles, weint.

00:17:45: ist das ein Übergriff und ist es so normal und so ständig da, dass es so ganz nebenbei erzählt wird?

00:17:53: Ja ich glaube, das ist eine Ihrer Widersprüchlichkeiten, dass Sie sozusagen eigentlich schon merkt.

00:17:58: also diese Andi Der wird jetzt nicht der Vater ihrer Kinder werden, aber sie ist so verzweifelt in dieser Situation.

00:18:06: Ich weiß jetzt nicht ob ich schon was vorwegnehme, aber das kann ich eigentlich schon sagen.

00:18:10: also Sie hat diesen großen Kinderwunsch, der vor allen Dingen auch dadurch zustande kam dass sie im Alter von siebenundzwanzig ein Eierstock verloren hat.

00:18:20: Der hat sich irgendwie verdreht und musste dann abgenommen werden.

00:18:24: Und der Gynäkologe über dem sie damals war Ob das jetzt stimmt oder nicht, also ob er damit recht hatte oder bleibt auch dahin gestellt.

00:18:32: Aber er hat gesagt sie haben maximal noch zehn Jahre um ein Kind zu kriegen und dann hat sie diese Beziehung mit K geführt sechs jahrelang der je immer wieder gesagt hat ja Ich mache noch das Theaterstück oder mach den Podcast und muss diese Reise machen, dann aber wirklich.

00:18:48: Das hat ihr versprochen bis sie sich getrennt haben.

00:18:53: Andi, man erfährt schon er ist in der offenen Beziehung, die trennen sich vielleicht... Es gibt Zwillinge und die Ex-Frau ist auch im Raum.

00:19:02: Alle Redflex wehen, flattern so rum!

00:19:07: wäre sie konsistent, würde sie das erkennen und sich dem nicht öffnen.

00:19:14: Und sie macht es aber... Was war deine Frage nochmal?

00:19:18: Sorry!

00:19:19: Du kommst genau dahin, ob es ein Übergriff ist oder nicht.

00:19:22: Ist in dem Sinne also auch ambivalent weil Sie sich schon dem auch öffnet und dem hingeht?

00:19:26: Nee, es ist kein Übergriff.

00:19:28: Es ist kein übergriff.

00:19:29: ich würde sagen wenn dann hat sie ihre eigenen Grenzen überschritten sozusagen und es ist aber auch ein bisschen angelegt in diesem Roman, dass sie früher mal so eine Art Zwangsstörung hatte.

00:19:41: Das wird wirklich nur so peripher beschrieben weil sie die eigentlich schon überwunden hat.

00:19:47: Aber in so extremen Situationen kommt das dann wieder zurück und sie schrubbt sich sozusagen die letzte Nacht ab

00:19:56: Auch einfach in angespannten Situationen.

00:19:58: Ja, und sie sagt auch ja dass sie jetzt endlich Kar vergessen hat was natürlich nicht stimmt weil am nächsten Tag ist sie eigentlich.

00:20:08: also bereut sie diesen One-Eyed Stand und vermisst ihren Exfreund.

00:20:11: Und sonst

00:20:11: würde sie auch nicht sagen jetzt habe ich endlich Kar vergessen.

00:20:15: Sie möchte ja dann dieses Buch schreiben.

00:20:17: Es ist natürlich nicht dieses Buch, welches diese performativen Feministen seizieren soll.

00:20:28: Ja was ist das denn?

00:20:29: Ist das eine neue Form des Patriarchats die eigentlich noch viel schlimmer ist als die alte und genauso unterdrückend?

00:20:35: Also finde ich schwer zu sagen also... Ich glaube auf eine Art, dass wir wirklich schon irgendwie so dieses Patriarchat wie wir es kennen von früher.

00:20:46: Dass wir das überwunden haben also zum größten Teil.

00:20:49: natürlich gibt es noch in sehr vielen Strukturen im Arbeitswelt eine Ungleichheit und so weiter.

00:20:55: aber ich habe das Gefühl Es herrscht eigentlich heutzutage eher so eine Art Chaos was mir aufgefallen ist diese Tech Bros oder die Welt verunsichernden.

00:21:07: Die haben vielleicht patriarchale Meinungen oder so noch.

00:21:10: Aber dieses Patriarchat existiert nicht mehr, würde ich sagen.

00:21:13: Es ist eher das Chaos von Musk und Trump

00:21:16: usw.,

00:21:18: aber nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch je nachdem wo man schaut also wahrscheinlich in ländlichen Gegenden eher als in städtischen Kontexten wahrscheinlich noch regressivere Strukturen.

00:21:34: da wird halt hingeschaut.

00:21:35: gesellschaftlich und so ganz lange wurde eben nicht auf diese feministischen Männer geschaut, die ja dann doch ... selbst wenn sie feministisch sich geben und sagen, dass sie es sind oder feministische Bücher schreiben mit diesen Büchern auf Bühnen kommen und sozusagen weiblichen Personen den Platz wieder wegnehmen.

00:21:56: Oder das das eben eine gute Ablenkungsmanöver ist sozusagen.

00:22:00: So was wie Cultural Appropriation letztendlich die verdienen mit unseren Plätzen

00:22:04: ihr Geld?

00:22:05: Ja ja

00:22:05: schon und dem wollte ich irgendwie mal so auf den Zahn fühlen.

00:22:09: Sind das die Gespenster?

00:22:11: Ja, diese Gespenster genau.

00:22:13: Grandiose's Cover übrigens!

00:22:15: Dankeschön.

00:22:15: ja ich mag es auch sehr gerne.

00:22:18: Diese Gespenstern die sich irgendwie auftauchen und dann... kaum hat man sich einmal umgesehen sind sie schon wieder davon geflattert und können sich auf nichts festlegen, sind irgendwie durchsichtig und durchsichtig.

00:22:31: Man kann sie nicht greifen aber das Cover also ist zum einen auf jeden Fall natürlich dieses Gespenst.

00:22:37: aber irgendwann meinte auch mal eine Kollegin dass die auch das Gefühl hat es sieht aus wie ein Tampon den man

00:22:45: wegen des Blöds.

00:22:47: ja also sorry ist vielleicht bisschen unappetitlich.

00:22:50: nein eigentlich Magst du die nächste Passage lesen?

00:22:56: Ja, gerne.

00:22:57: Also wir sind jetzt ein bisschen weiter... Sie hat sich auf Andi eingelassen, das hatte ich ja schon gesagt obwohl sie es eigentlich besser wusste.

00:23:06: Jetzt wird sie sechsendreißig und feiert ihren Geburtstag ohne Andi.

00:23:13: Ich habe Geburtstag!

00:23:15: Ich werde Sechsen dreißig, ich sehe das Ende vor mir.

00:23:18: Das Ende sieht so aus Alte Frau mit wehendem weißen Haar Mutterseelen allein in der Prerie Keine Kinder, keine Enkelkinder.

00:23:26: Keine Bestseller – kein Geld!

00:23:29: Nach dem vierten Roman aufgegeben, da das Theater in der Zukunft explodiert ist auch keine Stücke mehr geschrieben.

00:23:35: Krebs in irgendeinem Stadium noch nicht aber bald am abkratzen Die Gemüsebete verwildert Das Dach undicht Der Wasserhahn tropft Die Katze vor Ekel weggelaufen Die Hühner tot.

00:23:46: Übermorgen Apokalypse Oder Tod durch Einsamkeit oder Krebs hat mir eine Karte aus dem Jenseits geschickt, dummerweise das muss ich zugeben die einzig gute Sache an ihm in seiner schönen Schrift.

00:24:01: Mit ihr hat er die Worte Happy Birthday und eines Tages wünsche ich mich Frieden mit dir.

00:24:07: auf die Karte gekünstelt.

00:24:08: Ich schmeiße sie in den Restmüll und beende ihre Existenz mit einem Schluck Tomatensauce von vorgestern.

00:24:14: Während ich mir kajal um die Augen ziehe denke ich an meine Nicht-Kinder Wie sie jetzt durch die Wohnung flitzen würden, das bunte Spielzeug überall.

00:24:22: Der Babysitter der gleich käme um die Mama ihren Geburtstag feiern zu lassen.

00:24:28: Ich denke an die Kinder die nie entstanden sind und an jene die ich nicht habe entstehen lassen.

00:24:33: Bald ist unsere Trennung ein Jahr her.

00:24:36: Längst hab' ich Kabe erdigt Unsere Beziehung im Keller der Grausamkeiten verstaut.

00:24:41: Und jetzt als Geburtstagsgeschenk darf ich die mutrige Katonage nochmal öffnen Die Tragödie in La Metta, das Leid in Schleifen.

00:24:48: Die Misslungenheit in

00:24:49: Pomp.".

00:24:51: Ich denke an die Liebe und den Hass, an den Lachs und den Spaß... Ah!

00:24:54: Das muss ich kurz vielleicht erzählen.

00:24:56: Es gibt eine Lachsszene in diesem Buch am Anfang.

00:25:00: Und zwar war sie noch mit Karl zusammen und die beiden haben sich gestritten.

00:25:06: Karl hat die Wohnung verlassen und Sie hatten gerade auf dem Balkon irgendwas Lachsen mit Salat oder so gegessen Und sie hat Verwut den Lachs nach ihm geworfen, als er schon auf der Straße war und ihn auf seinen schwarzen Locken erwischt.

00:25:21: K. ist prompt nach Hause gerannt und hat einen Text daraus gemacht, den er zum Bachmannpreis geschickt hat und wurde damit eingeladen.

00:25:35: Und dann regt sie sich darüber auf, weil sie sagt also ich habe doch den Lachs geworfen.

00:25:39: Das ist meine Geschichte, das kann ja auch diese Geschichte und das finde ich oder mag ich auch ganz gerne so als Bild von wem gehört welcher Schmerz wer da welche Geschichte erzählen.

00:25:50: und damit mein ich nicht dass Sie jetzt die Erlaubnis hätte meiner Meinung nach aber eben da auch zu schauen dieser ambivalenz?

00:25:57: Ja genau also.

00:25:58: sie denkt an den lachs und den spaß den wir miteinander hatten.

00:26:03: Ich denke an unseren Anfangen, an die Wände und unser Ende.

00:26:07: Es soll ja vorkommen dass die Verlassene kurz nach der Trennung einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält.

00:26:14: Dann wägt sie ab, sagt sie ist dem Verflossenen oder behält sie es für sich?

00:26:19: Ich hatte damals elegant eine Vorhand gespielt und Kar den Ball an den Kopf geknallt!

00:26:24: Die Abwesenheit dessen was unsere Beziehung zerstört hat ist nach unserer Trennung anwesend geworden.

00:26:29: Herzlichen Glückwunsch.

00:26:30: so und so vielte Woche oder so ähnlich.

00:26:33: Daraufhin furienartiges Bombardement.

00:26:37: K, die Tennisniete im weißen Zweiteiler stand auf einmal unten von meiner Tür und schleuderte Bälle auf den Balkon.

00:26:43: K wollte reden!

00:26:47: Was habe ich gelacht?

00:26:48: Und diemals erstes ein Ass auf den Asphalt geschmettert.

00:26:51: Diese Tür mein Lieber geht für dich nicht mehr auf.

00:26:54: Dann stand der Einhaus weiter.

00:26:56: damit ich ja keinen Lachs mehr auf ihn werfen konnte habe natürlich über die Balkon-Balustrade geschrien, dass ich nichts abhöre und alles lösche.

00:27:06: Habe dann die Balkontür zugeknallt und alles abgehört.

00:27:11: Erst nach zwei sechs zu null spielen für mich mehreren Assen und dem entscheidenden Matchball der den Publikum beweis genug war, den Verlierer unten auszubuhnen hat Kahn noch einen letzten Slice versucht und ihn in meinem Hochsicherheitsnetz versenkt.

00:27:25: Schulterschwer ist der Verliera vom Colt geschlurft.

00:27:28: In detektivischer Manie habe ich die jämmerlichen Nachrichten nochmal abgehört und abgespeichert um im Falle seines Mordes mit Beweismitteln zu glänzen.

00:27:37: Erste Nachricht, wir müssen reden!

00:27:39: Zweite Nachricht jetzt rede doch mal mit mir!

00:27:42: Dritte Nachricht bist du wirklich schwanger?

00:27:44: Vierte Nachricht welche Woche?

00:27:46: Fünfte Nachricht Wir sind seit Monaten getrennt.

00:27:49: Sechste Nachicht kann gar nicht sein.

00:27:51: Siebte Nachricht kann gar nichts sein Kann gar nicht von mir sein.

00:27:55: Achte Nachricht haben immer verhütet.

00:27:57: Neunte Nachricht, bin nie in dir gekommen, bin überhaupt nie gekommen, habe auf mein Sperr mal aufgepasst wie auf meinen Augapfel, habe immer verhitzt, habe, habe ich!

00:28:06: Ich kann sie nicht mehr hören.

00:28:07: diese krächzende Schriftstellerstimme und drücke auf Gesamtennachrichten Verlauf löschen.

00:28:13: Noch ein paar Tage war ich schwanger, schlief mit der Hand auf dem Bauch suchte Mädchen Klamotten aus stellte das Zimmer um hier das Bettchen da der Wickeltisch.

00:28:23: Natürlich wusste ich, dass es mein fünftzehnter Zyklusstag war und ich kein Kind in mir trug.

00:28:28: Aber genauso wie ich es wusste, wusste auch nicht!

00:28:32: Ich war erst läufige dann scheinschwangere Katze die auf- und abtiegerte, die in ihr Kissen miaute.

00:28:38: Oh, und dann das PMS.

00:28:40: Ich wandte mich, drank meine Milch aß' die dreifachen Portionen Raghu Und ja, ich wollte jedem die Augen auskratzen der noch einmal versuchte mich anzurufen und etwas aus meinem verbeuten Katzenkörper zu quetschen.

00:28:53: Dann fiel der erste Tropfen Blut, dann der zweite.

00:28:56: Dann brach der Bach fünf Tage rote Angelegenheiten in meinem Fell die ich so gut als möglich aufschlägte.

00:29:04: Kars Nachrichten wurden besorgter.

00:29:06: er will jetzt mit mir reden.

00:29:08: bin ich wirklich schwanger von ihm?

00:29:09: wenn ja muss er mit mir Reden und zwar Jetzt?

00:29:12: Ich sagte da ich zur Katze geworden Bin kann ich leider nicht mehr sprechen nur fauchen und ob er Lust Auf aufgekratzte Arme Und Beine habe.

00:29:21: Dann erfuhr er, als ich einmal auf einem Baum am Kanal hing und Vögel fing durch den Buschfunk.

00:29:26: Dass sich ohne Bauch, ohne Embryo dafür mit einem anderen Kater- und alkoholischer Katzenmilch gesehen wurde.

00:29:32: Der Kontakt brach ab.

00:29:35: kaum war er weg war ich da.

00:29:37: Ich schrieb und schrieb natürlich bin ich schwanger Und wie Schwanger Bin Du wirst dieses Kind kennenlernen wenn du zu mir zurückkommst und du wirst es niemals kennenlern.

00:29:44: Wenn du nicht zurück kommst kommt zurück.

00:29:47: Wochen scharvenzelte ich um das Telefon, wartete dass K sich meldet mit der Einsicht dass er mich vermisst.

00:29:53: Dass ja jetzt da ich schwanger nicht schwanger war eingesehen habe dass wir beide zusammen bleiben und eine Familie werden müssten.

00:30:00: aber nichts gar nichts.

00:30:02: lange spielte ich mit dem Geduldsfaden machte ihn zum Wolknäuel schleuderte das Ding durch meine Wohnung kuschelte damit brütete auf ihm schlägte ihn ab.

00:30:11: dann riss ich den gedulds faden ein für alle mal durch Jagte aus Lust eine Maus, bis ihr in den Bauch und legte sie halbtod vor Karstür.

00:30:20: Dann wieder warten, warten, warten, bis ich die Wände in meiner Wohnung hoch ging – Die Polster und alles und mich selbst zerkratzte!

00:30:28: Wieder warten, Warten, warten bis sich ein bitterböses Gedicht verfasste, dass er von mir – der war ja gerade noch so im Leben – als Einschreiben erhielt.

00:30:37: Und dann kam Andi….

00:30:39: Ich schaue in den Spiegel und erschrecke von mir selbst, der Kajalstift völlig entgleist, schwarze Linien bis zu Stirn.

00:30:46: Andi hat sich noch immer nicht gemeldet.

00:30:54: Meine Fruchtbarkeit.

00:31:11: Ich umkreise meine ausgefranzten Lippen mit einem Konturenstift und erkläre meinem Spiegelbild.

00:31:19: Ein Leben ohne Familie ist leer, ein leeres Leben ist einsam, ein einsames Leben ist leblos, ein lebloses Leben der Tod.

00:31:28: Ein totes Leben ist ein Oxymoron, ein Oxymoron ist ein Widerspruch, kein Lebensprinzip.

00:31:37: Kein Lebensprincipe.

00:31:37: es ist eine Tautologie.

00:31:40: Eine Tautologie ist redundant.

00:31:42: Redundanz ist das zu viel, überflüssig und genau dadurch leer im Sinn.

00:31:46: Das wieder ist ein Oxymoron!

00:31:48: Ich will kein Leben, dass nichts als eine rhetorische Figur ist.

00:31:52: Ich will keine rhetorischen Figur sein – ich will überhaupt gar keine Figur sind sondern Mutter.

00:31:56: Will das volle leben und bekomme immer wieder nur das Lehre?

00:32:00: Ein leeres Leben ist einsam... Ein leinsames Leben ist leblos, ein lebloses Leben der Tod.

00:32:06: Ein totes Leben ist ein Oxymoron und da beißt sich die Katze in den Schwanz.

00:32:11: Schreit auf streift ihr Fell ab und zieht das weiße Kleid mit dem tiefen Rückenausschnitt über dazu eine schwere silberne Kette, die gut mit den ersten grauen Strähnen korrespondiert.

00:32:22: Du bist keine verdammte Katze sage ich!

00:32:35: Ist dieser Kinderwunsch wirklich die Sehnsucht nach einem Kind oder die Seahnsucht Familie, Geborgenheit, Zugehörigkeit?

00:32:46: Ja das ist eine gute Frage die sie sich selbst glaube ich nicht beantworten kann.

00:32:50: Die Sie sich aber auch nicht stellt weil es in diesem Buch schon um ne Art Obsession geht also anfänglich eben nicht.

00:32:58: Also da wollte sie glaube ich einfach ein Kind haben und aber auch aus diesem Zugzwang heraus mit dieser zeitlichen Begrenztheit hat das halt was ein anderes... Drucksituationen von Anfang an.

00:33:13: Aber dadurch, dass ihr der eine Mann und der nächste Mann – und man kann auch, glaube ich, spoilern mit Andi wird sie jetzt nicht glücklich!

00:33:18: Also die trennen sich irgendwann.

00:33:24: Und sie wird halt... Also das ist das Einzige, was ihr Leben noch bestimmt sozusagen.

00:33:29: Sie schreibt ja auch dann ihren Debüt-Roman und selbst der hat irgendwie nicht diese Kraft das Gefühl zu geben dass das Leben irgendwie schön sein könnte sondern sie wird immer obsessiver mit diesen Gedanken und das rührt auch aus der Vergangenheit her also aus ihrer Kindheit.

00:33:47: es gibt so ein paar Rückblicke in dem Buch sehr skizzenhaft erfährt, dass sie eben aus einer sehr zerrüteten Familie stammt.

00:33:57: Die Mutter die nicht aus Deutschland kommt also das ist auch... wird auch nur so anskizziert sozusagen.

00:34:04: Es gibt so eine Migrationsgeschichte, die wird aber nicht auserzählt – das war mir auch wichtig.

00:34:09: Können wir vielleicht auch gleich noch darüber sprechen?

00:34:12: Aber genau also ... Die Mutter hat die Familie verlassen und fortan war das Mädchen mit, ich glaube sieben Jahren alleine mit dem Vater der sich aber auch zurückgezogen hat vor diesem Trennungsschmerz, den er nicht überwinden konnte.

00:34:28: Sie wünscht sich halt nichts Sehnlicher als auch irgendwie einen Halt in dieser Welt.

00:34:33: Aber man kann schon, finde ich nicht genau sagen will sie wirklich dieses Kind oder will sie das für sich selbst?

00:34:41: Oder weil es ein neues Lebewesen geben soll ist ja auch ein großer Unterschied.

00:34:46: also dass aus einem Art Egoismus heraus.

00:34:50: Ich musste ein bisschen schmunzeln.

00:34:52: Ich habe auf Instagram natürlich recherchiert, also nicht nur auf Instagram aber auch und hab da eine Rezension von einem männlichen Creator mir angeguckt und der sagte alles super!

00:35:04: Aber ein bisschen hat ihn gestört das vorne nicht drauf steht dass es auch um Kinderwunsch geht.

00:35:12: Was man dazu sagen muss ist, dass Antimüller ja ein Hormon ist.

00:35:17: Vielleicht kannst du es besser erklären aber ich glaube das bestimmt sozusagen wie viele furchtbare Eizellen noch im weiblichen Körper vorhanden und verfügbar sind.

00:35:28: Anti-Müller ist das, was uns so unter Druck setzt.

00:35:32: Und so gleich ist es natürlich an die Müller.

00:35:35: Genau!

00:35:35: Ein

00:35:36: bisschen ein Wortspiel... Aber dieses Anti-müllerhormon war das erste, was quasi da von dem Buch war.

00:35:42: Ich habe irgendwann gelesen, dass es das Anti- Möllerhomonen gibt und ich war so

00:35:46: WHAT?!

00:35:48: Weil's so gut klingt?

00:35:51: Am Anfang war der Titel und dann musste ich mir drumherum alles noch ausdenken.

00:36:00: Ja, dass das dann auch noch so ein deutscher Name ist.

00:36:02: Fast ja vielleicht auch noch ganz gut.

00:36:04: Aber vielleicht kommt das Thema tatsächlich später noch... Ja also dieser Kinderwunsch da steckt irgendwie viel drin.

00:36:09: Tatsächlich die Wunsch nach einem Kind.

00:36:11: aber ich hatte schon auch das Gefühl, dass es so das Bedürfnis ist, vielleicht auch die Ursprungs-Familie nochmal in richtig, nochmal mit oder heiler vielleicht selber zu bekommen, aber das bleibt ja offen was Auch an verschiedenen Stellen deutlich wird, dass dieses gewünschte Baby bitte auf jeden Fall ein Mädchen werden soll.

00:36:30: Oder das ist zumindest so verankert.

00:36:31: Das stellt sich Mädchenklamotten vor und sagt immer sie fragt sich dann auch Sie?

00:36:38: Und bestätigt das wieder... Aber das ist vielleicht dann auch nichts, was du so mit Ja oder Nein beantworten kannst.

00:36:44: Aber ich habe mich gefragt ob sie da sich eine Komplizin schaffen möchte?

00:36:48: Eine die sie unterstützt.

00:36:49: oder findet Sie Männer zu dem Zeitpunkt schon so schrecklich dass es vor allem kein Junge werden soll?

00:36:56: Also um ganz ehrlich zu sein war das intuitiv.

00:36:59: Es gibt gar nicht so ein Hintergedanken dabei.

00:37:01: Ich glaube vielleicht wenn dann das ja oft Frauen sich vorstellen Wenn ich mal Mutter werde Dann werde ich jung Mädchen haben oder so.

00:37:11: Ich glaube, genau und das ist halt in dem Fall irgendwie das.

00:37:14: aber klar ist es ja schwingt es ein bisschen mit dieses kompliziellen Hafte.

00:37:21: was mir gerade eben auch noch einfiel dass sagt sie auch an einer stelle dass ihr auch etwas schaffen möchte dass dem nazistischen und neurotischem kulturbetrieb etwas entgegensetzt also irgendwie die Wahrheit einer Familie die nicht so aufgeladen ist.

00:37:38: Selbstbestätigung, Selbstdarstellung, Preisegewinn.

00:37:41: Schnellebigkeit des Kulturbetriebs.

00:37:44: Das ist ja genau richtig bei dem freien Schauspieler!

00:37:49: Ja, aber das ist tatsächlich etwas was ich mich oft gefragt habe.

00:37:52: Ich hab's hier sogar in Großbuchstaben wo sind die Frauen?

00:37:56: Wo sind die solidarischen und verlässlichen Frauen an ihrer Seite Schwester- und Freundinnen?

00:38:00: Es gibt diese Mutter die nicht da ist und dann gibt es auch Frauen aber sie sind nicht an ihrer seite.

00:38:07: Ich habe am Anfang welche drin gehabt, ich hab versucht ihr auch Freundinnen an die Hand zu geben.

00:38:15: Aber ich wollte ein Buch über Einsamkeit schreiben, über diese absolute Einsamheit dieses schreckliche Gefühl.

00:38:24: Es spielt auch auf eine Art das wird nie gesagt aber die Anfangsszene die ich ihnen vorgelesen habe oder euch spielt ja bei minus fünfzehn Grad und die beiden können irgendwo reingehen außer einen Supermarkt.

00:38:36: Und das ist auch oder sollte so ein bisschen darauf anspielen sozusagen, dass es auch in dieser Pandemiezeit eigentlich angesiedelt ist.

00:38:45: Genau!

00:38:45: Es wird nirgendwo gesagt aber das war mir irgendwie wichtig, dass sie eigentlich auf der Art da ganz alleine steht.

00:38:53: also ich wollte quasi das Brennglas auf den Konflikt setzen und alles was ich probiert habe mit und dann ruft Nina an oder so und Tröste ziehen.

00:39:03: Das hat alles irgendwie nicht, das hat es alles so verwässert und ich wollte dieses Konzentrierte eben haben.

00:39:10: Und so ist ein Buch mit nur sehr wenigen anderen Figuren

00:39:14: geworden.

00:39:17: Ich hänge gerade an diesem Prozess.

00:39:19: Die waren also zuerst da und das waren auch schon echte Menschen mit Namen usw.

00:39:23: Und dann musstest du sie gehen lassen?

00:39:25: Echte Menschen waren es nicht, sondern

00:39:27: echte ausgedachte Menschen!

00:39:31: Also so... Nicht komplett durchdekliniert durch das ganze Buch aber ja, es gab schon so ein paar Szenen.

00:39:37: auf jeden Fall habe ich ausprobiert.

00:39:38: Hast du einen Schmerz wenn du dich von denen wieder trennen musst?

00:39:43: Nee, hab ich manchmal bei manchen Szenen oder so.

00:39:48: Das heißt ja auch immer Killio Darlings und das stimmt.

00:39:51: leider aber da war ich jetzt auch irgendwie so.

00:39:54: nee weiß nicht gepasst hat.

00:39:57: Ja spannend!

00:39:58: Kommen wir zur dritten Passare schon?

00:40:04: In der Ringbahn in der ich nun schon seit Stunden im Kreisfahre in der mir nach dem Elend zwischen den Jahren nun leider und heftig aufgeht, dass ich dieses Jahr siebenunddreißig werde.

00:40:15: Siebenund dreißig!

00:40:17: In der ich also nun im Beisein aller An- und Abwesenden, aller Pappbecher und Sitzmuster, aller Bakterien und Bierfahnen verkünde Wenn ich bis zu diesem Geburtstag nicht schwanger werde, bringe ich mich um Warum?

00:40:30: fragt das Gehirn sofort.

00:40:32: Auch die Seele meldet sich zu Wort.

00:40:34: Wegen der Trennung vermute Ich da waren die Eltern ja beide sieben und dreißzig.

00:40:38: Oh oh, wie bedeutungsschwanger.

00:40:40: Oder einfach weil wir Größe sieben dreißig haben, kichern die Füße vor sich

00:40:44: hin.".

00:40:45: Seid ihr jetzt alle komplett behindert?

00:40:47: poltert die Halsschlagader.

00:40:49: Takt war nie ihre Stärke gewesen.

00:40:51: Sie fährt fort, weil der Arzt damals als der Eileiter kreppiert ist, prognostizierte dass sie spätestens Mitte fünfunddreißig unfruchtbar ist.

00:40:58: Kurze Stille am Espernhof Treptower Park.

00:41:01: Einsteigen bitte!

00:41:02: Türen schließen.

00:41:04: Plötzlich applaudiert es von irgendwo her.

00:41:07: Ich drehe mich um, suche nach den verantwortlichen Händen aber finde sie nicht.

00:41:12: Hier ruft er längst nicht mehr an.

00:41:14: ein wunderglaubender Eierstück aus meinem Innersten heraus.

00:41:18: Noch ein paar Monate also dann lässt du mich endlich in Ruhe ja?

00:41:21: Stopp rübst die Gebärmutter!

00:41:23: Wie egoistisch kann man bitte sein!

00:41:26: Ihre Worte landen sofort als Zähemasse in meinem Slip.

00:41:29: Darf ich nicht wenigstens auch einmal in diesem Leben im Mittelpunkt stehen und zeigen was ich so kann?

00:41:35: Jetzt geht's los, entlässt die Blase, Die diesen Konflikt schon seit Jahren kennt einen Kommentar tropfen.

00:41:43: Weitere Organe schalten sich ein.

00:41:45: Dramatisch gluchzen sie.

00:41:46: Wir wollen nicht sterben.

00:41:48: Auch Lunge und Magen klagen an.

00:41:50: Du hättest dich in all den Jahren ja auch mal um uns kümmern können Als die Gebärmutter dann ergänzt, dass sie zwei Abbrüche ja eben auch nicht ihre Schuld waren.

00:41:58: Weil sie schließlich jedes Mal eine großzügige ungemütliche Schleimhaut aufgebaut habe in der sich jedes noch so schlappe Ei hervorragend hätte gedeihen können.

00:42:06: Flüstert der eingebildete Psychoanalytiker jetzt mal ganz ehrlich sind Sie darüber nicht hinaus?

00:42:12: Haben Sie dafür nicht zu viel erreicht?

00:42:14: Da muss ich kurz auflachen!

00:42:16: Sofort blicke auf mir das Buch Das Theater Die Loslösung aus dem Elternhaus.

00:42:21: Welches Elternhaus?

00:42:23: Und als er dann von den metaphysischen Eltern schwarfelt, der Überwindung aus den Abhängigkeiten anderer reicht es mir wirklich.

00:42:30: Denn von übernatürlichen Müttern habe ich noch nie eine Milch bekommen oder ein Auto oder eine Schulter oder eine gefüllte Weihnachtsgans mit Maroden und Steinobst.

00:42:40: Von den ausgedachten Vätern wurde mir auch noch nie ein einziges Regal in meiner Küche angebracht oder was Väter sonst so

00:42:46: machen.".

00:42:47: Ich verstehe sie, will mich der eingebildete Psychoanalytiker beruhigen.

00:42:51: Die Traurigkeit ist überwältigend.

00:42:53: Traurigkeit schnaube ich in die S-Bahn hinein, in der ich nun schon seit drei Stunden im Kreisfahrer um alle potentiellen Väter meiner Kinder abzufangen.

00:43:02: So lange bleibe ich in der Ringbahn sitzen bis der eine einsteigt – also irgendeiner!

00:43:07: Bisher aber leider nur derangierte oder desinteressierte Väter mit Babys an die Brust geschnallt.

00:43:12: Zu Alte, zu Junge, Businessmänner, Modeopfer und Obdachlose.

00:43:17: Die Traurigkeit als Sublimierung für Kunst fügt der Psychoanalytiker an.

00:43:22: damit ich nicht auf das Pferd meines Selbstmordes durch Kinderlosigkeitssätze traurigkeit trabe ich los.

00:43:29: Als ging es hier um eine Traurigkeit, ein betrübtes Gefühlchen das sich bald wieder verflüchtigt kaum habe ich aber einen neuen Text geschrieben als würde dich die Kunst jemals von der Realität befreien.

00:43:39: Verzweiflung schreihe ich also.

00:43:41: darum geht es ins Abteil hinein.

00:43:45: Auf schauen die Leute.

00:43:46: nun da hat jemand Verzwaiflung gerufen Da hat jemand überhaupt was gerufen Das geht ja wohl gar nicht und setzen sich vor mir weg Als ob diese Gesichter nicht auch exakt das empfinden und sonst nichts, als ob die Furchen auf ihrer Stirn nicht genau das eingraviert hätten.

00:44:02: Die Verzweiflung, die Aussichtslosigkeit, Nebel der Hoffnungslosigkeit in ihren trüben Augen mit denen sie in den Abgrund ihrer restlichen Jahre blicken.

00:44:11: Als ob ihnen nicht exakt dass auf den Lippen läge nur weil ihnen der Mann im Mond verboten hat auszusprechen was Sie fühlen.

00:44:18: schütteln sie den Kopf wenn jemand das Kind beim Namen nennt.

00:44:21: Den Kragen hochgezogen, die Stare der Körper das bloß nicht auffallen.

00:44:26: Das bloß alles aushalten.

00:44:27: Wahnsinnig machen sie mich mit ihrer generischen Gestik der mikrigen Mimik!

00:44:32: Aber wer weiß vielleicht sehen Sie auch nur unglücklich aus und in Wirklichkeit geht es Ihnen allen... Gut, fahren sie gemütlich in ihre beheizten Wohnzimmer wo der Fernseher schon läuft oder einer ihrer Liebsten in einem interessanten Buch über den Weltuntergang schmökert.

00:44:46: Der duftende Tee die Spekulatius ausgepackt das Abendessen wartet, der nächste Urlaub.

00:44:51: oder Küchentisch oder Nachwuchs wird geplant ein gemeinsamer Kredit aufgenommen Die Badewannen und Suppendampfen aus den Poren der zufriedenen Gesichter die letzten Zweifel heraus Keinen.

00:45:01: Schmutzpartikel dieser Gegenwart kann jetzt noch in Sie eindringen.

00:45:05: Abgeschirmt vom Schrecken machen sie eine Lampe an.

00:45:09: Weil es dunkel wird.

00:45:10: oder ein paar Kerzen für die Romantik.

00:45:12: Eine Hoffnung im Wohnzimmer, ein Panüsschen und ein Bio-Wein.

00:45:16: Dann von einer besseren Zukunft träumen in den weichen Ikea Betten In der Nacht das Gegenüberatmen hören Das Kind schreit Nicht schlimm eine steht auf Der andere nicht Eine Geschichte vorlesen dann Die tupfige Giraffenlampe löschen Das glückliche Kindergesicht Dass jetzt von etwas Schönem träumt Bis morgen früh wieder.

00:45:36: Sonntag ist Oh, Sonntage Tag aller Tage, Tag der Abrechnung.

00:45:40: Tag der Wahrheit.

00:45:41: Tag Der Gemeinschaft wenn es eine gibt.

00:45:43: Tag die Einsamkeit wenn es keine gibt.

00:45:45: Tage der Ruhe, tag der Stille.

00:45:47: Tagt der Ausflüge.

00:45:48: Tag des Einkehrens in Gasthöfe nach einem langen Spaziergang.

00:45:51: Tag das Bratens-Tag der Torte, Tag des Abends, Tag Des Tatorts.

00:45:55: Tag, der nie zu Ende gehen soll bis das wonige Mondgesicht in die Eigentumswohnungen lacht und die Sterne für die Glücklichen anknipst Für die Traurigen leuchten sie nie Auf.

00:46:05: die scheint nur das künstliche Nähonlicht des öffentlichen Nahverkehrs.

00:46:09: Sterile Helligkeit für die Reisenden, die jetzt noch unterwegs sind!

00:46:13: Die Gerüche aller zu einem einzigen Grundduft vereint Der odör der einsamen Das Parfüm der Großstadt, der Mief der Malocher, der Gestank der Gestrandeten.

00:46:23: Hier sitze ich noch immer, fahre wahrscheinlich im Kreis bis sich wahnsinnig werde.

00:46:27: Nein Stopp Schwöre ich mir, heute und hier werde ich jemanden kennenlernen der mir ein Kind macht von mir aus auch auf einem Abstellgleis im Wedding.

00:46:36: Und dann lieber eingebildeter Psychoanalytiker werde ich aussteigen den Zynismus in die Spree werfen.

00:46:42: Die befruchtete Eizelle wird klumpen wird Embryo wird wachsen wird die Verzweiflung aus meinem Körper verdrängen.

00:46:48: In anderen Umständen verflüchtigt sich die Hoffnungslosigkeit.

00:46:52: In guter Hoffnung der Einsamkeit AD sagen, Die einen Zimmerwohnung kündigen in drei Räume ziehen vielleicht sogar in vier.

00:47:00: Ach es ist doch zum Träumen.

00:47:02: oder zum Heulen Westhafen.

00:47:06: ein Drei-Tagebad steigt ein Haare dunkel bis über die Ohren trägt die richtigen Klamotten Ein Buch in der Hand und da ist Platz an meinem Vierer.

00:47:16: Ich bete zum Himmel dass er sich zu mir setzt macht er Mir gegenüber, ich betrachte ihn.

00:47:21: Schöne Hände die Dostoyevsky halten schon mitten im Roman angekommen.

00:47:26: Ein Mann der liest, der die Klassiker liebt aber leider ein bisschen zu vertieft ist in die Lektüre.

00:47:32: Ich trete leicht gegen seinen Schuh.

00:47:34: Entschuldigung lächle ich.

00:47:36: Kein Problem schüttelt er den Kopf den er sofort wieder in den Dostoyovsky steckt.

00:47:40: Du, denke ich.

00:47:41: Du!

00:47:42: Schau mich doch mal an.

00:47:43: Sieh doch mal her.

00:47:44: Hier könnte deine große Liebe sitzen die Mutter deiner Kinder oder auch einfach nur eine Affäre mir doch egal.

00:47:49: Hauptsache du bist in der Lage dich fortzuplanzen.

00:47:52: Lass doch mal von den Mischkindes und Jepanschins und Rogoshins ab.

00:47:55: Jetzt schau doch mal auf Und mir in die Augen.

00:47:58: Macht er nicht Er macht es nicht.

00:48:01: Also tue ich so als müsste ich an der nächsten Station aussteigen Stehe auf Mechanisch drehen seine Beine nach rechts damit ich besser raus kann.

00:48:09: Danke Huch!

00:48:10: Ach so, hier ist ja noch gar nicht die Schönhauser Allee.

00:48:13: Lache ich und habe eine einmalige Situation erschaffen.

00:48:17: Ein Momentum ist jetzt da in das man hineinsprechen kann – Das Paket des Dialogs wird hiermit eröffnet.

00:48:23: Und was macht die Leseratte?

00:48:25: Sie liest Dem Nullsender gegenüber sitze ich wieder da.

00:48:30: Ein Auge auf dem Prenzlauer Berg, das andere auf das schöne Gesicht gerichtet die braun nachdenklich zusammengezogen der Mundeinspalt offen dahinter vermute ich eine strahlend weiße Zahnreihe.

00:48:41: was wird er wohl sein?

00:48:42: Künstler?

00:48:43: Nein!

00:48:43: Dieser Mann hat entschlossene Gesichtszüge.

00:48:46: Der kantige Kiefer kaut kein selbst mit Leid wider.

00:48:48: diese Händetippen nicht selbstbezügliches oder wehmütiges Diese Handtippen tachel es.

00:48:53: Journalist denke ich und sehe uns schon gemeinsam am Frühstückstisch sitzen.

00:48:58: Er studiert die Zeitung und liest mir aus dem Politikteil vor, während ich mir seinen Dostoyevsky vornehme.

00:49:04: Über den Tisch werden wir ein Croissant zerteilen und auf den Krümeln miteinander schlafen und unsere körperliche und geistige Verbindung wird sich entladen in mehreren Höhepunkten.

00:49:12: In dem Moment bekommt er eine Nachricht.

00:49:15: Zieht das Telefon aus der blauen Jacke legt es auf die Seiten tippt und lächelt.

00:49:20: Mit wem schreibt er denn da?

00:49:21: Was ist so

00:49:21: lustig?!

00:49:22: Ich grinse empathisch mit, aber er schaut nicht auf.

00:49:25: Nimmt mich nicht wahr!

00:49:26: Ich existiere gar nicht für ihn.

00:49:28: Obwohl ich doch früher voran die VK... Man hat das dann eigentlich aufgehört.

00:49:32: Zentrum für jeden Mann war.

00:49:35: Okay, nicht jeder.

00:49:36: Korrigiere ich mich als ich an die Jungs denke, die früher stolz betonten.

00:49:41: Ich stehe nicht auf dunkelharige und erst recht nicht auf die, die nicht von hier

00:49:44: sind.".

00:49:45: Die Pamela Anderson Zeit, die Gwyneth Paltrow-Zeit.

00:49:48: Die Kelt Mosszeit, die Kirsten Danzzeit.

00:49:50: Die Zeit der Blondenschönheiten.

00:49:52: das Exotische verpönt etwas dass man als westdeutscher Kleinstadt Casanova besser nicht mit nach Hause bringt mit dessen Genmaterial man sich besser nicht verbindet.

00:50:01: Mit den Dunkelharigen hat man einen Spaß ja aber nur die Blonden führt man den Eltern zuhause vor die ihre Lesebrillen absetzen und die zukünftige freudig begrüßen.

00:50:12: Doch jetzt nicht mal mehr die wollestigen Blicke auf mir, Die mir damals täglich begegneten.

00:50:17: Die heiß auf meinen Körper das Siegel der Attraktivität standsten.

00:50:21: Die Hitze durch die Aufmerksamkeit anderer Jetzt nur die Kälte eines schönen Mannes Der wahrscheinlich nicht einmal einen Bruchteil seiner Weltlektüre checkt.

00:50:29: Schönhauser Allee verkündet die Ansage und ich bleibe sitzen Warte dass er aufschaut mich anlächelt Und hier musst du doch raus sagt Aber da klappt er das Buch zusammen, steht auf und verschwindet im Schwarm der Aussteigenden.

00:50:42: Der Idiot!

00:50:44: Danke.

00:50:55: Vielen vielen Dank liebe Jade.

00:50:57: Du hast es angesprochen Und ich glaube in der Passage die du gerade vorgelesen hast ist vielleicht eine von zwei Stellen wo überhaupt das Thema Migration oder Herkunft berührt wird.

00:51:10: Warum warst dir wichtig dass nicht so sehr ins Zentrum zurück?

00:51:14: Ja also Ich habe mit meinem Debühremann die Erfahrung gemacht, dass ich... Also zum Beispiel wurde in vielen Buchhandlungen aufgrund meines Nachnamens einfach in die Abteilung türkische AutorInnen gestellt.

00:51:27: Ganz oft und wurde auch immer einfach so gelesen sozusagen.

00:51:33: Und ich muss schon sagen das mich das im Literaturbetrieb immer ein bisschen nervt, dass sich das Gefühl aber also einerseits ist es total toll, dass Menschen, die eine Migrationsbiografie haben gelesen werden und auf Bühnen sitzen usw.

00:51:48: Und also Verlage, die verlegen aber andererseits gibt es auch finde ich die Kehrseite dass das dann zu einem Trend wird oder irgendwie so eine Art Vermarktungsstrategie wird und eigentlich auch sehr viel Schmerz der da bestimmt drinsteckt aber oft auch irgendwie ein bisschen mir klischiert vorkommt muss ich ehrlicherweise sagen und in vielen anderen Büchern mir das schon oder ein paar Bücheren mir so begegnet ist Und ich wollte irgendwie das dieses Mal nicht bedienen.

00:52:20: Also deswegen gibt es sozusagen die Mutter, die ... Es wird doch gar nicht genannt in welches Land, welches ihr Heimatland ist und welches sie zurückkehrt?

00:52:29: Aber mir ist es halt schon oft auf Bühnen passiert dass dann die Moderatorinnen gesagt haben, ah ja dann ist sie in die Türkei zurückgegangen!

00:52:35: Und das ist natürlich auch interessant weil naja mein Vater aus der Türkeis.

00:52:41: genau

00:52:42: das vielleicht auch dieser Effekt, dass die Leute automatisch davon ausgehen, dass es autobiografisch ist?

00:52:46: Genau oder dass es halt diese Anlehnung gibt sozusagen.

00:52:50: Und ich wollte das irgendwie nicht bedienen und ich fand es irgendwie auch eleganter, das einfach nur so anzutippen und auch mal zu schauen wie dann da die Reaktionen sind sozusagen und zum Beispiel in den Rückmeldungen bisher, in den Rezensionen taucht das nirgendwo auf.

00:53:09: Also wenn es nicht omnipräsent isst fällt das anscheinend hinten runter.

00:53:14: Deine Ich-Erzählerin bewegt sich ja in diesem Kulturbetrieb, Literaturbetrieb – du ja zufällig auch!

00:53:22: Hast Du da irgendwie andere Reaktionen aus diesen Kreisen nochmal gekriegt als aus so einer breiten Öffentlichkeit?

00:53:28: Fühlen die sich angesprochen oder irgendwie angegriffen?

00:53:31: Ja, das habe ich ein bisschen befürchtet, weil ich natürlich oft... zu solchen Veranstaltungen hier und in dieser Szene drin bin.

00:53:40: Aber ich fand es so erstaunlich, dass eigentlich alle ... Also mit denen ich darüber gesprochen habe, wo auch ganz viele Autorennen dich nicht kennen die mir dann so eine E-Mail oder so geschrieben haben.

00:53:50: Die hatte gesagt oh Gott danke dass du dieses Buch geschrieben hast.

00:53:53: es ist alles so heuchlerisch

00:53:55: und

00:53:56: so unecht und diese Konkurrenz und wie schnell man sozusagen.

00:54:02: also dieses Buch ist Ende Februar erschienen und das ist jetzt eigentlich schon alt in der Literaturwelt.

00:54:09: drei Monate April, Mai, Juni, vier Monate.

00:54:14: Weil jetzt kommen ja schon die ganzen Bücher für den Herbst raus und so.

00:54:18: Und also diese Schnelllebigkeit im Kulturbetrieb, die auch was Zutiefes Kapitalistisches hat und alle spielen aber mit.

00:54:26: manche müssen oder die meisten müssen wahrscheinlich.

00:54:29: ich finde es schon irgendwie zumindest okay das mal anzusprechen irgendwie Und ich habe eigentlich nur positives Feedback dazu bekommen, hat mich total geflasht.

00:54:42: Ja

00:54:45: wahrscheinlich ist Dankbarkeit eines der ersten Gefühle, dass es mal jemand ausspricht.

00:54:50: Wahnsinnig positives Feedbag auch nochmal von meiner Seite!

00:54:53: Vielen Dank noch einmal Jade.

00:54:54: das war ganz toll.

00:54:55: Danke dir!

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