#35 Biografie und Bibliothek: Juliane Luise von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön
Shownotes
Der Lebensweg Juliane Luises führt von führt von Ostfriesland über Wolfenbüttel und Russland ins heutige Schleswig-Holstein und eröffnet Einblicke in die Lebenswelten und Handlungsspielräume einer Frau im 18. Jahrhundert. In dieser Folge von HAB gehört spricht Dr. Caren Reimann über Juliane Luises Biografie, ihre familiären und gesellschaftlichen Netzwerke und die politischen und kulturellen Verbindungen zwischen den Höfen. Dabei geht es auch um die Frage, welche Möglichkeiten und Grenzen weibliche Handlungsspielräume in dieser Zeit prägten.
Wie sich die Lebensgeschichte einer Fürstin in ihrer Bibliothek abbildet, untersucht das Forschungsprojekt „Fürstinnenbibliotheken und Wissenspraktiken im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts“. Dazu werden historische Quellen wie Inventare und Kataloge mit erhaltenen Büchern und biografischen Informationen zusammengeführt. So lassen sich Rückschlüsse auf die Interessen, die Lektüre und die Wissenspraktiken adeliger Frauen wie Juliane Luise von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön ziehen.
Weiterführende Informationen:
- Zur Projektseite: Fürstinnenbibliotheken und Wissenspraktiken im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts. Rekonstruktion, Funktion und Bedeutung
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HAB gehört ist eine Produktion der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.
Aufnahme und Postproduktion: Landesmusikakademie Niedersachsen
Redaktion und Moderation: Dr. Marie Adler
Sounddesign: Klingebiel Creative
Feedback oder Anregungen? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an presse@hab.de! Wir freuen uns auf Ihre Gedanken zur Episode.
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:17: Für Julianne Luise von Schleswig-Holstein Sonderburg Plön beginnt mehr als einmal ein ganz neuer Lebensabschnitt.
00:00:26: Als junge Frau führt ihr Weg nach Russland, später kehrt sie zurück.
00:00:31: Neue Orte, neue Menschen, neue Aufgaben!
00:00:35: Für Fürstinnen des achzelnden Jahrhunderts waren solche Ortswechsel nichts Ungewöhnliches sondern gehörten zum dynastischen Alltag.
00:00:41: Doch jeder Wechsel bedeutete auch, sich in einer neuen Welt zurechtzufinden und den eigenen Platz darin zu behaupten.
00:00:54: In diesem Projekt untersucht die Herzog-Augustbibliothek in Kooperation mit dem Trier Center for Digital Humanities, die Bibliotheken von rund hundert Fürstinnen des achtzehnten Jahrhunderts.
00:01:23: Dabei geht es nicht nur um die Bücher selbst sondern auch um die Frage was diese Sammlungen über ihre Besitzerinnen verraten – über ihre Interessen, ihre Wissenspraktiken und ihre Beziehungen zu anderen Menschen und Orten.
00:01:35: Hallo Karin!
00:01:37: Hallo Marie
00:01:37: Wie schön dass du da bist.
00:01:39: Legen wir los.
00:01:39: fangen wir an mit der Geschichte von Jojane Luise Wenn wir ihr am Wolfenbüttler Hof begegnen, in welcher Welt befindet sie sich da und wer ist sie eigentlich?
00:01:49: Wie sieht sie aus?
00:01:50: wie alt ist die.
00:01:51: Wie kann ich mir die vorstellen?
00:01:52: Und warum ist sie überhaupt da?
00:01:53: was bringt Sie mit Fragen über Fragen?
00:01:56: Juliane Luise wurde am dritten Juni sixteenhundert achtundneunzig in Aurich in Australien geboren also das geborene Prinzessin von Ostfriesland.
00:02:05: echte Prinzessinnen
00:02:06: Ja.
00:02:08: Und bereits sehr jung, mit knapp zwei Jahren verlor sie dann ihre Mutter die Fürstin Sophie Eberhardien geborene von Öttingen-Öttingen und wurde dann seit sie zehn Jahre alt war am Wolfenbüttler Hof erzogen denn dort war ihre tante Fürste nämlich Christine Luise auch geborener von Öttinge-Öttingen.
00:02:26: Dort wurde sie zur Erziehung an diesen Hof gegeben.
00:02:29: Wie sie aussah zu diesen Zeitpunkten, wissen wir leider nicht.
00:02:32: Aber es existiert ein Porträt von ihr, das ich mitgebracht habe?
00:02:36: Oh ja!
00:02:36: Ich sehe das hier... da ist die aber nicht zehn Jahre alt.
00:02:38: Da ist
00:02:39: sie nicht zehn jahrealt.
00:02:40: Dieses Portrê wurde wahrscheinlich aus Anlass ihrer Ehe-Schließung angefertigt
00:02:44: und... Haffe ich mal, gibst du mir mal rüber?
00:02:45: Ja.
00:02:47: Oh ernsthaft sieht sie aus.
00:02:50: Dieses portrait befindet sich heute im Thüringer Landesmuseum Heidexburg in Rudolstadt Und es zeigt sie als hübsche junge Frau in prächtiger Hofkleidung mit Hermelin am Mantel.
00:03:02: Sie ist sehr sorgfretig frisiert und vermutlich leicht dezent geschminkt, wie du sagst.
00:03:06: ihr Gesichtsausdruck ist absolut neutral dargestellt.
00:03:09: Sie zeigt weder ein Lächeln noch andere Gefühle und schaut den Betrachtern relativ ruhig direkt an.
00:03:15: Ich finde sie sieht ein bisschen traurig aus aber vielleicht ist das jetzt weil du gerade erzählt hast dass ihre Mutter so früh verstorben ist und so.
00:03:20: dann interpretiere ich das direkt da rein.
00:03:23: Ich würde eher sagen, dass individuelle Züge auf diesen Porträt kaum dargestellt werden.
00:03:28: Stattdessen ist das ein repräsentatives Porträd, eine repräsentative Funktion sowohl des Porträts selber als auch der Fürstin am Hof wird dort dargestellt.
00:03:38: Wie gesagt wir wissen nicht wie sie als zehnjährige aussah aber wir wissen was die als zehnjährige mit an den Hof nach Wolfenbüttel brachte denn dazu existiert ein Inventar.
00:03:48: Und sie brachte einen Teil des Nachlasses ihrer Mutter mit, der ihr aus der Erdmasse zugefallen war.
00:03:52: Das war eine kleine Summe Geld ungefähr hundert Reisthaler.
00:03:56: dann ein Diamantkreuz und Diamantohrringe als wertvollste Gegenstände.
00:04:00: Ein Toilettentisch Silbergerät, Silberbesteck Stoff zum Schneidern von Hofkleidung, ein bisschen bereits verfertigte Kinderkleidungen.
00:04:07: Bettwische, Kaffee und Teegeschirr dazu je Zweifund Tee- und Kandeszucker, weil sie aus Ostfüßland kommt.
00:04:13: Ach ja!
00:04:14: Direkt was lokalpatriotisches mit dabei.
00:04:17: Und sie brachte natürlich auch Bücher mit Denn zur standesgemäßen Ausstattung einer jung Fürsten gehörten Bücher, vor allem religiöse Bücher.
00:04:25: Sie brachte mit ein Deutsch- und eine französische Bibel zwei Schriften von Johann Arndt, nämlich das wahre Christenturm und das Paradiesgärtlein, Soetoms güldenes Kleinot und einen Gesangbuch und einen Katichismus.
00:04:38: Und wie sah dann ihr Alltag in Wolfenbettel aus?
00:04:42: Das Problem ist, dass die Mädchenerziehung an Fürstenhöfen und auch das Leben dieser jungen Mädchen relativ schlecht dokumentiert ist.
00:04:49: Was sie lernte, ist auf jeden Fall Lesen schreiben Musik und natürlich auch die französische Sprache.
00:04:56: Regelkonform hätte sie wahrscheinlich kein Latein und auch kein Griechisch gelernt.
00:05:00: Allerdings wissen wir von ihrer Kusine Charlotte Christine, dass sie tatsächlich Latein-und Italienisch lernte.
00:05:06: Es ist also möglich das auch Juliane Luise zumindest grundlegende Fähigkeiten in diesen spalten Sprachen erlernte Die sich dann allerdings in ihrer Bibliothek nicht abbilden.
00:05:15: In ihrer Bibbiothek ist vorherrschend Deutsch, es gibt Werke auf Französisch.
00:05:19: Es gibt zwei Werke auch Latein und es gibt zwei werke auf Niederländisch die sie wahrscheinlich aus Aurich mitbrachte.
00:05:27: Das steht im Gegensatz zur Bibliothek ihrer Mutter wo wir tatsächlich auch Bücher auf Italienisch finden denn diese Bibliothek haben wir auch rekonstruiert.
00:05:35: Diese Sprachkompetenz hat ihre Tochter dann wahrscheinlich nicht mehr oder ließ zumindest nicht auf dieser Sprache.
00:05:41: Und was sie natürlich nicht machen konnte, vor allem im frühen Achtzehn-Jahrhundert ist eine Art Bildungsreise.
00:05:46: Eine Grantur wie sie Jungen Fürsten offen stand.
00:05:49: Die ist equivalent dieser Fürstinnen der Prinzessin war die Erziehung an einem Befreundeten oder familiär verbundenen Hof wie sie Juliane Luise eben in Wolfenbüttel erfuhr.
00:05:58: Ach so!
00:05:59: Das
00:05:59: galt dann schon als ihre Bildungsreise sozusagen diese zwangsläufige Umsiedlung?
00:06:05: Das kann man so sehen.
00:06:07: Sie kam natürlich in ein anderes Umfeld, lernte dort andere Sachen kennen als die, die sie in Ostfriesland kennengelernt hätte und die große Reise für die meisten Prinzessin war dann natürlich meistens aus Anleis einer Verheiratung wo sie meistens an einen völlig fremden Hof kamen.
00:06:21: Wissen wir auch irgendwas über ihre Freizeitgestaltung außerhalb des Unterrichts?
00:06:26: Es gibt natürlich Quellen zur Freizeitgestaltung am Wolfenbüttler Hof.
00:06:29: Es gibt Quellen zu Opernbesuchen, es gibt Queellen zu Bellen, Maske, Raden, Jagden und dergleichen.
00:06:35: Aber da ist die Teilnahme von diesen jungen Mädchen eigentlich sehr schlecht dokumentiert.
00:06:38: Dazu wissen wir relativ wenig
00:06:40: leider.
00:06:41: Und sie blieb ja aber nicht in Wolfen Bütte.
00:06:44: Warum musste sie weg?
00:06:45: Und wohin gingen Sie dann?
00:06:47: Sie wurde in Wolfenbüttel zusammen mit ihren Cousinen erzogen und eine ihrer Cousin, nämlich Charlotte de Christine von Braunschweig-Wolfenbütl, sollte im Jahr sehntehundertundelf den russischen Thronfolger, den Tsarevich Alexei heiraten.
00:07:01: Und Juliane Luise wurde dann auserwählt sie als Hofdame an den rossischen Zarenhof zu begleiten
00:07:08: Das Hofdama.
00:07:09: was bedeutet
00:07:09: das?
00:07:10: Sie war quasi als Gesellschafterin da.
00:07:12: Sie war Teil des des Hofgefolges Kronprinzessin Reise natürlich nicht alleine, da war standesgemäße Begleitung erforderlich.
00:07:20: Und Juliane Luisse war eine relativ naheliegende und auch eine relativ günstige Wahl.
00:07:26: Sie war damals dreizehn Jahre alt vollweise ihr Vater er war auch schon verstorben befand sich schon an dem Hof war als hochadlige Prinzessin standes gemäß aber hatte auch nicht so richtig die Wahl.
00:07:37: also wenn sie gefragt wird begleitest du deine kursine dann war es glaube ich relativ schwer das abzulehnen und deswegen fährt sie im Gefolge dieses Kronen Prinzenpaares nach Russland.
00:07:47: Und wissen wir etwas über diese Reise nach Russlands?
00:07:50: Gibt es irgendwelche Selbstzeugnisse vielleicht, die uns verraten wie ihr persönlich dabei ging?
00:07:55: Wie groß war der Einschnitt in ihrem Leben?
00:07:57: Der Einschnitt war wahrscheinlich sehr, sehr groß!
00:08:00: Wir wissen dass dieser Reise für Sie mit einer großen Möglichkeit verbunden wurde, denn er wurde eine Verheiratung in Aussicht gestellt.
00:08:08: Auch in Russland?
00:08:09: Auch in Rusland!
00:08:10: Dazu gibt es ein sehr schönes Zitat von einem russischen Historiker, Görieh der dazu schreibt Juliane Luise sollte heiraten Ein nahen Verwandten des Zahren, den jungen Narischkin.
00:08:21: Der damals achtzehn Jahre alt war und nach Urbichtsbeschreibung schön sehr klug außerordentlich reich der Lieblinge des Zahn- und des ganzen Hofes war.
00:08:29: also das wäre natürlich eine sehr sehr attraktive Heiratsperspektive gewesen.
00:08:34: Klingt
00:08:34: nach einer guten Partie?
00:08:35: Ja die sich leider aber nicht verwirklicht hatte.
00:08:38: Und als sie dann in Russland ankam in St.
00:08:40: Petersburg ankam stellten sich auch die Lebens- und die Eheverhältnisse ihrer Cousine sehr schnell als wirklich dramatisch heraus nach den Quellen zu urteilen, sprach kaum noch mit seiner Frau.
00:08:51: Das Haus war baufällig ist regnete durch wenn sich die Krummprinzessin beim Zaren beschwerte.
00:08:57: Listezeriewicz sie spüren dass man sowas nicht tue.
00:09:01: es war wirklich eine sehr dramatisch und traurige situation und wir sehen da in den quellen wird erwähnt Sie ließ diese Traurigkeit niemanden spüren, weil sich das natürlich nicht geziemte.
00:09:13: Außer ihre Freunde und die Prinzessin von Ostfriesland, die an ihrer Seite blieb.
00:09:18: Da waren sie sich zwei Vertraute in der Fremde sozusagen?
00:09:22: Ja, denn viele Mitglieder des Hofstaats, die Charlotte Christina mit nach Russland brachte verließen diesen Hof nach und nach auch aufgrund von Geldmangel.
00:09:31: Sie konnte die quasi nicht mehr bezahlen, deswegen reißten sie zurück nach Hause.
00:09:35: Juliane Luizette hat das nicht!
00:09:37: Zum einen sicherlich weil sie tatsächlich eine Freundin von Charlotte Christine war zum anderen aber auch weil sie keinen Ort hatte an den sie zurückkehren konnte ohne dann als Bittstellerin auftreten zu müssen.
00:09:47: Klar sie hätte ja nicht ohne ihre Kusine zurückkommen können.
00:09:50: Die konnte ja auch nicht zurückkommen, die war jetzt verratete Grundprinzessin von Russland.
00:09:53: Also war sie quasi an sie ein Stück weit gebunden und blieb mit ihr in Sankt Petersburg.
00:09:59: Und sprach Sie selbst auch russisch?
00:10:00: Das hast du jetzt nicht erwähnt unter den Sprachen, die Du aufgezählt hast?
00:10:04: Beide Prinzessinnen sprachen und lernten kein bzw kaum russische.
00:10:08: In den Quellen werden eins in der russischen Wörter mal erwähnend aber gließende Sprachkenntnis können wir nicht vermuten.
00:10:14: und was noch viel wichtiger war beide PrinzessInnen nahmen auch den orthodoxen Glauben nicht an.
00:10:19: Das war vorher vertraglich vereinbart worden, also die Konversion von Charlotte Christine war nicht Teil der Heiratsvorbereitung.
00:10:26: Aber es machte sie zur Außenseiterin am Hof und die Verständigungssprache der beiden war zum Teil italienisch das ist dokumentiert zum Teil französisch und mit einigen Mitgliedern des Hofes vor allem mit auswertigem Gesandten konnten Sie auch Deutsch sprechen
00:10:40: Und gelang es ihnen trotzdem Beziehungen zu knüpfen in diesem neuen Zuhause?
00:10:44: Dazu gibt es wenig Selbstzeugnisse, was wir sehen ist dass sie isoliert bleiben.
00:10:49: Dass Sie sich viel aufeinander beziehen und das tragfähige Beziehung zu vor allem bedeutenden Mitgliedern des russischen Hofes wenig geschlossen werden.
00:10:58: Wenn dann sind es auswärtige Gesamte insbesondere der gesamten Erholfenbüttel natürlich
00:11:02: Natürlich.
00:11:04: letztendlich blieben sie aber ja doch nicht dort oder sie kehrten zurück.
00:11:09: Schon siebzehnhundert und fünfzehn, also vier Jahre nach der E-Schließung starb Charlotte Christine bei der Geburt ihres zweiten Kindes.
00:11:16: Das ist der spätere Zahr Peter II.
00:11:20: Und auf ihrem Sterbebett nahmen Sie dann ihrer besten Freundin Juliane Luise das Versprechen ab sich um ihre beiden Kinder zu kümmern – also das erstgeborene Kind für eine Tochter.
00:11:27: Aber das konnte Juliane Mittel- und Einflusslose Prinzessin an diesem Hof natürlich gegen den Wunsch, dass Derevich nicht durchsetzen.
00:11:36: Und sie musste dann nach dem Tod ihrer Kusine auch den Hof verlassen und auf ein Büttel
00:11:40: zurückkehren.".
00:11:41: Das ist ja eine weitere sehr dramatische Stelle in diesem Leben!
00:11:44: Also Sie mussten es Ihrer Kusina versprechen konnte, das aber nicht halten?
00:11:48: Genau.
00:11:49: Und diese vier Jahre in Russland finden dann... Wie wir feststellen konnten, auch kaum Niederschlag in der Bibliothek.
00:11:55: Also wie gesagt es gibt keine Bücher auf Russisch.
00:11:57: Es gibt aber auch keine Büchern über Russland.
00:11:58: Das ist eher untypisch.
00:12:00: In vielen Fürsten-Bibliotheken der Zeit finden wir sehr viele Reisebeschreibungen darunter nach Russland.
00:12:05: Wir finden keine Werke zu berühmten russischen Persönlichkeiten zum Beispiel Peter dem Großen oder ähnlichen Aber wir finden ein Corpus der Werke Johann Christian Lünings.
00:12:15: das ist ein Hofhistoriker Historiker.
00:12:18: in einer Art Im zweiten Teil seines Theatrums ceremoniale oder historisch-politischer Schauplatz aller Zeremonien gibt es einen Bericht von dieser Hochzeit von Charlotte Christina und Alexei in Torgau.
00:12:30: Und daraus folgt auch ein Bericht des Auszugs, des Grundprinzenpaares aus Braunschweig.
00:12:35: unter Rahmen dieses Berichts wird auch Juliana de Ise genannt.
00:12:39: Das ist das eine Buch wo wir nachweisen können okay diese russische Episode in ihrem Leben hat da auch in dieser Bibliothek einen gewissen kleinen Niederschlag gefunden.
00:12:48: Und nachdem sich jetzt dieses russische Heiratsversprechen, was sie ursprünglich mal in Aussicht gestellt wurde nicht erfüllt hatte, heiratete sie dann ja als sie zurück in Wolfenbüttel war.
00:12:59: Was wissen wir über diese Ehe?
00:13:01: Juliane Luise heiratet dann im Februar seventeenhundertundzwanzig als zwanzigjährige Joachim Friedrich von Schleswig-Holstein Sonderburg-Plön.
00:13:10: Dessen erste Ehefrau Magdalene Juiane von Zweibrücken Birkenfeldt war knappe drei Monate vorher gestorben Und er hatte bereits drei Töchter aus dieser Ehe, die damals zwölf, zehn und acht Jahre alt waren.
00:13:22: Aber keinen männlichen Erben!
00:13:24: Der Herzog war natürlich signifikant.
00:13:26: Älter als Hygienolü ist nämlich dreißig Jahre.
00:13:28: Dreißig jahre älter?
00:13:29: Ja.
00:13:30: Und er war bereits wie man wusste und vermutlich auch sehen konnte schwer krank und außerdem hoch verschuldet.
00:13:36: Also man kann insgesamt sagen das ist eine standesgemäße Verheiratung.
00:13:40: Er ist ein Herzog aber es ist definitiv keine gute Partie.
00:13:45: Sie hat allerdings nicht viel Auswahl Und sie erhält dann eine Mitgift vom Auricherhof von viertausend Reichstalern.
00:13:52: Das spiegelt ihre prekäre Lage eigentlich wieder, denn das ist eine relativ niedrige Mitgifte.
00:13:56: Aber Sie musste offensichtlich heiraten oder?
00:13:58: Da
00:13:59: können wir vielleicht später noch mal darüber sprechen.
00:14:01: dass eröffnet ihr große Möglichkeiten.
00:14:04: aber dieser Altersunterschied Der ist natürlich auch für die Zeitgenossens schon klar ersichtlich und problematisch, denn gerade die Reformatoren hatten ja gesagt Jugend zur Jugendheiraten.
00:14:13: Ach so?
00:14:14: Ja!
00:14:15: Das ist eigentlich versteht man auch warum... Und dann verfasst der Regierende Herzog von Braunschweig-Wolfen Büttel das ist zu diesem Zeitpunkt August Wilhelm gleich drei Rechtfertigungsgerichte worum
00:14:27: das trotzdem eine gute Verbindung ist.
00:14:29: Warum diese Erschließung trotzdem notwendig ist.
00:14:33: Ich habe einmal ein Zitat aus dem ersten dieser Gedichte.
00:14:35: Das ist eine Übersetzung, das ist originales auch französisch.
00:14:37: Oh ja, liest mal vor!
00:14:38: Ja...
00:14:49: Das klingt erstmal ganz nett, aber im dritten von diesen drei Gedichten wird dann eigentlich ganz klar warum diese Ehe unbedingt stattfinden soll denn er schreibt dort gesicherte Nachkommenschaft, also im Sinne der Dynasty.
00:15:02: Was wird man hier noch nie alles erreichen können?
00:15:04: Und das ist ein wörtliches Zitat von Ludwig XIV und da wird eigentlich klar ihre eine Aufgabe ist es einen männlichen Erben zu gebären für diesen
00:15:12: Herzog.
00:15:13: Ach du meine Güte okay!
00:15:14: Das klingt nach ziemlich viel Druck.
00:15:15: wie ging es denn ihr selbst damit?
00:15:17: Da haben wir wieder keine... Selbstzeugnisse von ihr, aber es gibt eine sehr schöne Quelle.
00:15:22: Denn kurz nach der Hochzeit verfasste vermutlich Heinrich XXIII.
00:15:26: von Reus Lobenstein ein Reisetagebuch das erhalten ist Indem er auch die Begegnung mit Juliane Luise am Braunschweiger Hof schilderte, ich lese das einmal vor.
00:15:43: Und weil ich so ein kindlich gemüht bei der guten Herzogin funde und sie mir gesagt hatte, dass es ihr viel Kampf machen, das sie so fast ganz alleine in ein fremd Land käme.
00:16:07: Und ob ihr gleich die Herzogen von Wolfenbüttel noch auf eine Zeit lang die Oberhofmeisterin mitgebe?
00:16:12: So wären es doch nur einige wenige Wochen!
00:16:14: Also man sieht hier die Hochzeit, die Reise Das veränderte soziale Umfeld sind alles Fremdbestimmte Elemente und Sie kann die Umstände eigentlich nicht selbst beeinflussen und es macht ihr Sorge, ganz alleine in dieses Herzogtum Plöne reisen zu müssen wo sie eigentlich niemanden kennt.
00:16:30: Und nur auf eine Zeit lang diese Hofmeisterin mitnehmen zu können, zu der sie offensichtlich ein Vertrauensverhältnis hatte aber die eben nur einige Wochen mitreisen kann.
00:16:39: Als guter Absolvent der Hallischen Universität lässt Reuslobenstein natürlich die Gelegenheit nicht ungenutzt Juliane Luise auch einige Bücher Frankes zu versprechen neben jenen die sich schon zu diesem Zeitpunkt besaß.
00:16:51: Und diese Texte scheinen ihr wichtig gewesen zu sein.
00:16:54: Denn zum Zeitpunkt ihres Todes hat sie ganze sechs Bände der Predigten von Franck in ihrer Bibliothek dazu acht weitere Texte Frankus, also z.B.
00:17:02: zum Hallischen Weisenhaus vier hallische Gesangbücher drei hallische Bibeln und zwei der Werke Freilinghausens.
00:17:08: Also das ist ein durchaus beachtliches Segment in Ihrer Bibliothek.
00:17:11: Okay aber Sie war tatsächlich verunsichert in dieser Situation?
00:17:15: Und durfte sie denn ihre Begleiterin mitnehmen?
00:17:17: wie ging es für sie weiter?
00:17:19: kam für sie dann doch auch etwas Gutes bei der ganzen Sache rum?
00:17:24: Sehr wahrscheinlich durfte sie diese Oberhofmeisterin mitnehmen, die ist später am Wolfen-Büttlerhof belegt.
00:17:29: Also die Kehrte auf jeden Fall zurück, sie blieb nicht im Plön wie es auch abgesprochen war.
00:17:34: Was sie natürlich gewann durch diese Eheschließung ist einmal trotz der wirtschaftlichen Probleme in Plön eine wirtschaftliche Absicherung.
00:17:41: Sie heiratet in ein neues familiäres Netzwerk ein.
00:17:44: das ist natürlich eine Absicherung für sie in gewissen Maße.
00:17:49: Seit dem Zeitpunkt ihrer Eheschließung war einen deutlichen Machtzuwachs.
00:17:53: Landesmutter?
00:17:54: Landesmütter, ja sofort regierende Fürsten!
00:17:57: Das ist sehr oft so dass diese Prinzessin zum Zeitpunkt Ihrer Ehesschließungen erst mal Kronprinzessinnen oder sowas sind.
00:18:01: aber sie ist gleich regierender Fürsten und Sie hat natürlich auch dafür gesorgt das sie abgesichert wird zum Zeitpunkt der Eheschliesung unter anderem durch eine Wittumsverschreibung weil ihr abzusehen war dass die verwittelt werden würde.
00:18:15: Ihr Mann war schwer krank und sie lässt sich diese Wittungsverschreibung Schriftlich geben, das war üblich.
00:18:21: Was ist das genau?
00:18:22: Das ist ein Schriftstück was das Erbe regelt oder wie ist das?
00:18:26: Es ist ein schriftstückt das regelt was ihr im Fall ihrer Verwittfung zusteht.
00:18:30: Ihr wurde zugestanden in diesem schrift stück jährlich sieben tausend Reichstaler zu bekommen.
00:18:35: Ist das viel?
00:18:36: Ja es ist mehr als ihre Mitgift
00:18:37: war deutlich schwer.
00:18:39: Zwei sechsspänige Kutschen standen zur Verfügung und das Schloss Ahrensböck als Witwensitz.
00:18:44: Das war der übliche Witwensatz für die verwippeten Fürsten von Plön.
00:18:48: Aber dieser Witwensitz sollte vorher noch renoviert werden und auch für die Unterkunft und Versorgung ihrer dortigen Hofhaltung, sollte gesorgt werden.
00:18:57: Aber Juliane Luise wusste natürlich aus der Erfahrung unter anderem ihrer Kusine Charlotte Christine mit der ausbleibenden Zahlung von deren Mitgift
00:19:05: das
00:19:05: ist es für Frauen ohne politischen Einfluss sehr schwer war diese Zahlungen auch durchzusetzen.
00:19:11: sie ließ sich daher ihre Wittumsverschreibung sogar vom Kaiserhof bestätigen.
00:19:15: Das ist ein sehr kluger Schachzug wo man auch vermuten kann, dass ihr das vielleicht nahegelegt wurde.
00:19:21: Smarte Juliane Luise!
00:19:23: Und was ist denn mit ihrer einen großen Aufgabe passiert?
00:19:26: War sie in der Lage tatsächlich männlichen Nachwuchs zu produzieren sozusagen?
00:19:31: Also Ehemann stirbt wenig überraschend sehr früh, kaum weniger als ein Jahr nach der E-Schließung nämlich im Januar zwanzig.
00:19:40: aber Julianne Luise ist zum Zeitpunkt des Todes ihres Mannes schwanger Und das ist ein ganz, ganz großes Potenzial für Sie.
00:19:48: Denn sie weiß aus persönlicher familiäre Erfahrung, dass es durchaus möglich ist wenn sie jetzt einen männlichen Erben auch nach dem Tod ihres Mannes noch bekommen würde, dass sie ihren Machtzuwachs behalten könnte denn ihre eigene Großmutter Christine Schalotte von Württemberg hat Ihren Sohn erst nach tot ihres Ehemanns bekommen.
00:20:08: Das ist der Vater von Julianne Luise Und Charlotte Kristina konnte dann aus Friesland, vormundschaftlich für ihren Sohn regieren.
00:20:16: Das ist eine Zeit die in Ostfriesland als äußerst erfolgreiche Regentschaft
00:20:21: gilt.
00:20:21: bis heute gilt ehrlich gesagt.
00:20:23: Diese Geschichte kannte Juliane Luise natürlich und sie hat gesehen.
00:20:27: okay mir steht jetzt dieses Fenster der Möglichkeit offen.
00:20:30: falls das Kind ein Junge wird, falls es überlebt könnte ich hier als regierende Fürsten potenziell mehrere Jahrzehnte sein.
00:20:39: Wenn wir ein Fernsehsender wären, würden wir jetzt Werbung einblenden um diesen Cliffhänger ein bisschen auszukosten.
00:20:45: Wenn es ein Junge wird wenn der überlebt wie ist das ausgegangen?
00:20:48: Tja negativ!
00:20:51: Sie hatte traurigerweise eine Fehlgeburt war auch ein Mädchen aber auch das Mädchen hat nicht überlebet und mit diesem mit dieser Fehl Geburt schloss sich dann quasi dieses Möglichkeitsfenster für sie.
00:21:01: Dann war klar sie müsste jetzt eigentlich auf ihren Witwensitz nach Ahrensburg übersiedeln.
00:21:07: Das Herzogtum würde an einen Verwandten ihres Mannes aus einer Nebenlinie fallen, ein männlichen Erben.
00:21:13: Und sie müsste auch ihre drei Stiefdöchter mitnehmen nach Arrensbögen und für die natürlich sorgen weil sie quasi die Stiefmutter
00:21:21: ist.".
00:21:22: Und es war ja aber alles eigentlich in ihrem Sinne geregelt?
00:21:24: Ist das denn auch so eingetroffen?
00:21:26: hat Sie diese zwei Kutschen und die Tala und alles
00:21:29: bekommen?".
00:21:30: Natürlich nicht!
00:21:32: Der Nachfolger ihres Mannes aus der Nebenlinie hat natürlich alles getan, um das zu verhindern.
00:21:37: Das ist allerdings kein besonders krasser Fall weil in den Quellen ließ man immer fürstliche Witwenden sind zu teuer und alle haben etwas dafür getan diese Wittumszahlung zu verringern.
00:21:53: Ich habe gehört, Julianne Luise sei eine Zitat schlechte und geldgierige Witfe gewesen.
00:21:58: Und sie habe sogar eine Schenkungsurkunde gefälscht um sich zu bereichern.
00:22:02: Stimmt das?
00:22:05: Zu dem Zeitpunkt, als sie verwittwitzt ist die Möglichkeit in Plühen erst mal zu bleiben und sie führte dort nach allem was wir wissen eigentlich die Hofhaltung ihres Mannes mehr oder weniger fort.
00:22:14: Also sie blieb im Machtzentrum und veränderte erstmal dieser Hofhaltungen nichts.
00:22:18: das wird ihr natürlich im Nachhinein äußerst negativ ausgelegt denn das Ideal für Wittwin auch für Fürstliche Wittwen war zu dieser zeit ein Leben in Gebet In Einsamkeit, in Ruhe und vor allem in Bescheidenheit Denn Fürstlichen Wittwinnen sind zu teuer insbesondere beim hochverschuldeten Hofi Plöen.
00:22:36: Was später dem Nachfolge ihres Mannes über sie kritisch berichtet wird, ist zum einen dass Sie eine Schenkungsurkunde gefälscht habe über Silber.
00:22:48: Also er legt ein Schriftstück vor wo ihr ehe man ihr Silber versprochen haben noch zu Lebzeiten aus seinem persönlichen Besitz und dieses Schrift stück wird angefochten.
00:22:57: das hätte sie gefälschte.
00:22:59: natürlich dazu haben wir keine Belege, aber es besteht durchaus die Möglichkeit, dass diese Schenkungsurkunde eventuell echt war.
00:23:06: Man kann trotzdem erst mal alles anfechten damit man als Rechtsnachfolger dieses Silber vielleicht für sich beanspruchen kann
00:23:11: und nicht die teure Witwe aushalten
00:23:13: muss.
00:23:14: Genau!
00:23:14: Dann nimmt sie das mit nach Alrensburg und wer weiß was damit dann passiert?
00:23:18: Der regierende Herzog hat dann keinen Zugriff mehr darauf.
00:23:21: Und zum zweiten wurde ihr vorgeworfen nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit einem Vertrauten im Hofbeamtenschriftstücke ihres.
00:23:30: Auch das ist tatsächlich nichts Ungewöhnliches, das finden wir bei vielen Fürstinnen.
00:23:34: Das spricht eigentlich eher für ein Vertrauensverhältnis dieser Eheleute oder zumindest einen Vertrauungsverhältnissen des Mannes zu diesem Hofbeamten.
00:23:42: Also vielleicht hat sie in seinem Sinne Unterlagen verbrannt, die nicht für den Nachwert bestimmt waren?
00:23:47: Genau.
00:23:47: Das ist in anderen Fällen von Fürstinnen nachgewiesen.
00:23:50: das was da verbrand wird sind persönliche Briefe zum Beispiel von denen der Herzog nicht will dass die ins Pfüchtsicher Archiv gelangen und der Nachwelt dadurch zugänglich werden.
00:23:59: Das wusste er ja auch.
00:24:00: wenn er stirbt alles geht ins Archiv und wenn er es nicht wollte dann wird das eben verbrannt.
00:24:04: Und wir wissen in einigen fällen macht das eben die Ehefrau Dass ihr das jetzt so negativ angelastet wird.
00:24:10: Das ist natürlich ein Narrativ, das der Nachfolger ihres Mannes auch über sie erzählen wollte.
00:24:16: Und in dieses Narrativ gehört dann auch dieses Zitat «schlechte und geldgierige Witfe».
00:24:21: Ja.
00:24:22: Ach so?
00:24:24: Ah ha!
00:24:26: Juliane Luise erlebt hier also erneut eine Zeit von großer Unsicherheit – was hilft ihr denn in diesen Momenten vielleicht weiter?
00:24:34: Wirklich schwierig wird es ab dem Jahr siebzehn, sechsundzwanzig.
00:24:37: Da muss ich dann mit ihren drei Stieftöchtern tatsächlich nach Ahrensburg übersiedeln.
00:24:41: Das ist ein relativ kleines Schloss.
00:24:43: Es wurde natürlich nichts renoviert wie das eigentlich abgesprochen war und die finanzielle Lage ist äußerst angespannt.
00:24:50: was ihr hilft belegbar hilft sind familiäre Netzwerke.
00:24:53: zum Beispiel erhält sie langjährig finanzieller Unterstützung durch ihre Kursiner Herzogen Antonin Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel.
00:25:01: Außerdem hat sie sehr wahrscheinlich Kontakt zu ihrer Schwester, die war Fürsten in Rudolstadt und zu ihrer Tante Fürsten im Nassau-Itschstein.
00:25:09: Möglicherweise reiste sie sogar als Witwe an diese Höfe.
00:25:13: da haben wir ein Hinweis darauf denn Sie hatte einen Rudolfstädter Gesangbuch von siebzehn vierunddreißig in Ihrer Bibliothek.
00:25:24: Du hast unheimlich viele Namen von Fürstinnen und Höfen und so weiter genannt, die werde ich mir nicht alle merken können.
00:25:29: Was mir dabei aber auffällt wenn du über dieses Netzwerk sprichst was sie auch getragen hat ist dass da ganz viele Frauen dabei waren.
00:25:37: war das etwas normales in der Zeit?
00:25:40: Und wie unterstützen sich denn diese Frauen gegenseitig?
00:25:44: Ich würde schon sagen, dass es etwas Normales ist.
00:25:45: Vor allem ist auffällig, dass dieses Frauennetzwerk, dieses familiäre Frauennetzwerk das stabilste und langfristigste Netzwerk ist, das wir im Fall von Juliane Luise nachweisen können.
00:25:55: also diese Frauen vermittelten nicht nur ihre Töchter an andere Höfe zur Erziehung und vermittelte dann Hochzeiten innerhalb dieser Netzwerke sie unterstützten sich eben auch finanziell wirklich faktisch.
00:26:06: zum Beispiel unterstützte der Auricherhof die Prinzessin Christine Luise langfristig finanziell.
00:26:14: Auch zum Zeitpunkt ihrer Eheschließung noch, bis sie dann regierende Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel wurde und Christiane Luise unterstützte später die auricher Prinzessin Juliane Luise, wie das auch ihre Tochter Antoinette Amarie tun sollte.
00:26:28: Diese Namen muss man sich nicht alle merken!
00:26:30: Wichtig ist es sich zu merken dass sich diese Frauen innerhalb dieser Familiennetzwerke mit Geld unterstützen Und Juliane Luise war dann vor ihrem Tod nicht in der Lage, wiederum eine Tochter ihrer Kusine zu unterstützen.
00:26:44: Und dadurch wurde diese Schuld dann in dem Sinne fällig und der Nachlass Juliane Luisis wurde im Testament beziehungsweise einer Vereinbarung aus dem Jahr siebzehn vierunddreißig entsprechend Dann ihre Kursine Antoniette Amarie zugesprochen die diesen kompletten nachlass dann versteigernd
00:26:59: ist.
00:27:00: Und woher weißt du das denn eigentlich alles?
00:27:04: Das Schwander an unserem Langfrist Projekt, in dem wir ja mindestens hunderte Fürsten Bibliotheken betrachten werden ist das sich mit der Zeit immer mehr Verbindung zwischen diesen einzelnen Frauen belegen lassen.
00:27:14: Ganz kurz Hundert Fürsten im Bibliotrygen, d.h.
00:27:16: dann kommen noch hundert solcher Namen auf uns alle zu.
00:27:20: So eine Liste und die heißen alle gleich?
00:27:21: Ja wunderbar!
00:27:23: Ich bin gespannt.
00:27:24: Entschuldige ich wollte dich nicht unterbrechen.
00:27:28: Genau, ich bin auf Juliane Luise, die wir eigentlich gar nicht auf dem Schirm hatten.
00:27:31: Die war eigentlich nicht Teil des ursprünglichen Projekts.
00:27:33: Siehst du
00:27:33: die hundert?
00:27:36: Die
00:27:36: zweite, glaube ich.
00:27:39: Ich bin nämlich auf sie gestoßen bei der Untersuchung der Nachlassregelungen nach dem Tod ihrer Mutter Eberhardin Sophie deren Bibliothek wir rekonstruiert haben und durch Sicht der Finanzakten ihrer Tante Christine Luise deren Bibbiothek wie rekonstriert haben Und durch den Umstand dass das einzig erhaltene Buch aus Juliane Luises Bibliotek später in die Bibliothik der Herzogin Elisabeth-Sophie Marie gelangte deren Bibiothek Und natürlich vor allem dadurch, dass sich im Nachlass der Herzogin Antoinette Amalia deren Bibliothek auch bearbeitet haben.
00:28:11: Dieser Auktionskatalog mit der Liste der Bücher von Julian Luise und den Käuferinnennamen und den genannten Preisen findet.
00:28:19: Dieses eine Buch was bei uns erhalten ist von Juliane Luise hast du mehr für unsere Ruprik Im Tresor gezeigt?
00:28:26: Wie das war hören wir jetzt!
00:28:32: So, wir sind mal wieder sozusagen im Tresor.
00:28:35: Ich sage so zu sagen weil wir uns dieses Büchlein hier heute in der Sammlung deutscher Drucke anschauen und als du liebe Karan damit gerade reingekommen bist war ich überrascht weil es ein sehr kleines Buch ist und auch eher unscheinbar Und ich weiß nicht warum aber ich hatte mir irgendwie etwas größeres vorgestellt und ich beschreibe mal ganz kurz was ich jetzt hier vor mir sehe.
00:28:55: Es ist In einem braunen
00:28:58: ledereinband gehalten richtig?
00:29:01: Ja
00:29:03: Man sieht, dass da auch so ein bisschen Goldverzierung wahrscheinlich mal dran war.
00:29:08: Zumindest an den Seiten und ich glaube am Buchrücken auch.
00:29:12: Ja danke du zeigst mir das mal!
00:29:14: Das sieht hübsch aus aber wie gesagt insgesamt eher unscheinbar.
00:29:18: was ist denn das überhaupt für einen Buch?
00:29:21: Ja, das ist ein Buch.
00:29:22: Das muss auch relativ klein sein, weil es ein sogenanntes Andachtsbuch ist.
00:29:27: Es wurde für die persönliche Andacht gedruckt und man hat sich in dieses Buch versenkt.
00:29:33: Man musste nicht an einem Lesepult lesen müssen.
00:29:36: Man konnte das wirklich überall lesen.
00:29:38: Und das ist so genannte Bilderabsalter.
00:29:41: D.h.,
00:29:41: dass der Text der Psalmen aber illustriert.
00:29:44: Und zwar gedruckten siebzehnhundert-und elf in Augsburg
00:29:48: Und der gehörte unserer Juliane Luise.
00:29:51: oder wieso liegt er hier vor uns auf dem Tisch?
00:29:54: Genau, das ist das einzige erhaltene Buch dass wir mit einer Provenienz von Julianne Luise nachweisen können.
00:30:01: Denn auf den vorderen Vorsatz lesen wir Julianne-Luise Prinzessin von Ostfriesland auf uns Hösisch geschrieben
00:30:08: Und man sieht hier auch das Ex Libris, oder?
00:30:11: Das ist ein Ex-Libris.
00:30:12: Aber nicht das von Juliane Luise sondern von Elisabeth-Sophie Marie die dieses Buch aus dem Nachlass von Juliana Luise erworben hat und deswegen ist es hier.
00:30:22: Denn Elisabetsofie Marie war natürlich Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel und hat ihre komplette Büchersammlung der Fürstlichen Bibliothek, der heutigen Herzog Augusts Bibliothek vermacht.
00:30:33: Okay
00:30:33: aber im Ursprung gehörte es Juliane Louise
00:30:37: Genau Und nach ihrem Tod wurde die gesamte Bibliothek verkauft.
00:30:41: Der halbe Wolfenbüttlerhof ist dort shoppen gegangen mehr oder weniger, also wir haben mehrere Hofangehörige, die dort verzeichnet sind als Käuferinnen darunter Elisabeth Sophie Marie.
00:30:52: und gibt es außer dieser französischen Inschrift denn noch weitere Hinweise darauf dass das Juliane Luise gehört hat?
00:31:00: Hast du irgendwelche Gebrauchsspuren im Buch gefunden?
00:31:03: In diesem Buch kann man keine Gebrauchsspuren nachweisen, weder von Juliane Luise noch spätere Art.
00:31:08: Das ist aber nicht ungewöhnlich.
00:31:10: Dass Leute in Bücher reingeschrieben haben, gerade Fürsten im Achtzehnjahrhundert haben wir bei einer Minderheit der Bücher und wenden nur in sehr speziellen Segmenten, die sie besonders interessiert haben.
00:31:21: Dazu gehört dieses Buch bei Julianne Luise offensichtlich nicht.
00:31:24: Wir wissen auch nicht ob sie es täglich verwendet hat oder nicht, ob sie's mit in die Kirche genommen hat zum Beispiel?
00:31:33: Das wissen wir nicht.
00:31:34: Es sieht nicht unbenutzt aus, aber das ist kein Buch, dass man mit in die Kirche genommen hat.
00:31:41: Ein Buch, das man für die private Andacht in den privaten Räumen benutzt hat.
00:31:44: Gerade in Verbindung Text und Bild, dass er sich in die Bilder versenkt hat.
00:31:49: Und die Bilder dazu dienten, den Text in Erinnerung zu rufen.
00:31:53: Da ist diese Zusammenstellung von Text- und Bild relevant auch für die Erinnerungsfunktion.
00:31:59: Als Gedächtnisstützer?
00:31:59: Genau!
00:32:00: Aha, jetzt habe ich eine schöne Vorstellung davon wie sie in ihren privaten Räumen darin geblättert hat.
00:32:05: Vielen Dank liebe Karin!
00:32:07: Sehr gerne.
00:32:09: Und wie geht ihr eigentlich bei dieser Bibliotheks-Rekonstruktion vor?
00:32:14: Was macht man bei einer solchen Spurensuche genau?
00:32:17: Also nachdem wir den Auktionskatalog überhaupt erst mal gefunden hatten schauen wir uns die Informationsdichte dieses Katalugs an.
00:32:24: Es handelt sich dabei um einen gedruckten Katalog, der die Bücher fortlaufend nummeriert verzeichnet und Angaben zum Verfasser, zum Kurztitel, zum Druckort- und zum Ja macht.
00:32:34: Außerdem gibt es dann bei einigen wenigen Bänden Zusatzinformationen
00:32:37: z.B.,
00:32:37: wenn besonders wertvolle Silberschließen verwendet werden oder wenn es sich dann wertmindernd um ein unvollständiges Exemplar handelt.
00:32:44: Und dann gibt es in diesem Auktionskatalog handschriftliche Einträge denn es handelt Landesarchiv Wölfenbüttel.
00:32:51: aufbewahrt wird, um ein sogenanntes durchschossenes Exemplar.
00:32:54: Das heißt zwischen die einzelnen Druckbogen wurden leere Blätter eingebunden, um handschriftliche Eintragungen vornehmen zu können und auf diesen leeren Blättern wurden handschriftlich wiederum die Nummern der Bücher vermerkt und dazu die Namen der Person diese Bücher erworben haben und die gebotenen Summen für jedes Buch.
00:33:12: Das ist insgesamt gar nicht schlecht, das eine mittlere Informationsdichte.
00:33:16: Die es uns in den meisten Fällen möglich macht die entsprechende Ausgabe des Textes immerhin zu identifizieren und die fehlenden Informationen zu ergänzen also zum Beispiel den vollständigen Titel des Werks, Informationen zum Herausgeber usw.
00:33:29: Könnten wir weitere Exemplare nachweisen?
00:33:32: Neben dem einen dass an der Herzog Augusbibliothek erhalten ist würden wir natürlich auch die exemplar spezifischen Informationen ergäncen Also z.B.
00:33:39: ob wir handschriftliche Einträge finden, ob es einen Ex-Libris ein Supra Libros oder dergleichen gibt und natürlich auch die aktuelle Signatur und den Aufenthaltsort des Buches.
00:33:50: Und welche Erkenntnisse konntest du aus der Rekonstruktion ziehen?
00:33:54: Sie hatte ja vermutlich mehr Bücher am Ende ihres Lebens als als zehnjährige.
00:33:59: Genau sie hatte dem Auktionskatalog nach über vierhundert Bücher, vierhundertfünfunddreißig wenn ich mich nicht irre oder vierhundertfünfund dreißig Nummern im Auktionskatalog.
00:34:08: teilweise verbergen sich dahinter mehrere Bücher.
00:34:11: Und wir sehen an der Bibliothek mehrere Aspekte die jetzt schon verschiedentlich angesprochen wurden.
00:34:16: zum einen sehen wir die Sprachverteilung also hauptsächlich Deutsch Französisch ein wenig Latein ein wenig niederländisch.
00:34:23: Wir sehen in der Bibbiothek sehr stark auch den Familien Bezug gespiegelt, also sie besaßt zum Beispiel die Werke von verwandten Frauen.
00:34:30: Zum Beispiel der Herzogin Elisabeth-Sophie Marie und Elisabet Juliane, die beide schriftstellerisch tätig waren.
00:34:35: Aha!
00:34:36: Sie hatte nachweisbar wie schon erwähnt ein Interesse an pietistischer Literatur das wir in ihrer Bibliothek gespiegelt sehen.
00:34:43: Und anhand dieses Segments der Gesangbücher in ihrer Bibliothek können wir auch ihre Aufenthaltsorte ein Stück weit nachzeichnen.
00:34:50: Also sie besaß Gesang-Bücher aus Aurich, aus Braunschweig, aus Plöhn, aus Ruderstadt, aus Werninger Rode und auch weitere.
00:34:56: So einen Gesangbuch erhielt man eigentlich oder bekam man wenn man dem entsprechenden Ort besuchte.
00:35:03: Anhand der verzeichneten Käuferinnen sehen wir wer zum Zeitpunkt ihres Todes einen Bezug zu ihr hatte Denn die meisten Käufern sind Personen aus ihrem unmittelbaren Umfeld, nämlich Kamerherren oder Kammerfrauen, Sekretäre, Hofbeamte, Theologen.
00:35:18: Oder
00:35:19: Personen aus ihren Familienverband also zum Beispiel die Hälzogen.
00:35:22: Elisabeth-Sophie Marie geht in Ahrensböck dann Bücherschoppen genauso wie diverse Prinzessinnen aus ihrem Familienver Band
00:35:29: Und hat die Rekonstruktion Ihrer Bibliothek deinen Blick auf Julianne Luise verändert?
00:35:34: Also sie ist überhaupt erstmal in den Blick geraten.
00:35:36: Wie gesagt, Julianne was war eigentlich keine Person, die wir zum Zeitpunkt der Antragstellung als Biblioteksbesitzerin kannten.
00:35:42: das war ein... es war kein Zufallsfund weil ich danach gesucht habe aber es war ein überraschender Fund tatsächlich diesen Katalog zu finden.
00:35:50: Es ist auch eine Person die als Bibbiotheksbesitzerinnen in der Forschung irgendwie präsent wäre und auch keine Personen geschichtsforschung wahnsinnig präsent ist, denn sie ist relativ jung gestorben mit nur einen vierzig Jahren.
00:36:03: Sie hatte keine überlebenden Kinder und sie ist natürlich auch als frau- und finanziell abhängige Frau in einer Position von wenig Macht gewesen die es ihr ermöglicht hätte irgendwie politisch gesellschaftlich in Erscheinungs zu treten als eine Person die quasi in der geschichtswissenschaft relativ unsichtbar geblieben ist.
00:36:26: Aber gerade durch diese relative Machtlosigkeit und die Abhängigkeit von äußeren Gegebenheiten und dieses Ausgeliefertsein in einer Art, den Entscheidungen anderer gegenüber fanden wir sie durchaus sehr interessant.
00:36:38: Weil das tatsächlich vielen Frauen derzeit so ging, die ihre Lebensumstände nicht selber bestimmen konnten.
00:36:46: Sie ist vielleicht ein extremeres Beispiel durch diese durchaus weite Reise nach Russland und dieses Möglichkeitenfenster von knapp vier Monaten wo sie die Möglichkeit hatte Regierende oder vormordschaftliche Regentin zu werden, aber im Endeffekt ist das ein durchaus normales Fürst in Leben der Zeit.
00:37:03: Wenn du Juliane Luise heute eine einzige Frage stellen könntest, welche wäre das?
00:37:08: Ich würde sie natürlich fragen wie hättest Du die selbst entschieden?
00:37:11: oder was hattest Du dir selbst ausgesucht?
00:37:13: Ach dass wir schön das zu wissen!
00:37:15: Vielen Dank liebe Karin, dass du uns Juliane Luises teils ja doch traurige aber auch bewegte Geschichte erzählt hast.
00:37:22: Ich freue mich das wir sie heute vielleicht doch ein bisschen sichtbarer machen konnten und sie nicht mehr nur als geldgierige und schlechte Wittfe bekannt ist sondern auch als Frau mit Buchbesitz und spannende Netzwerken die jetzt in diesem Forschungsprojekt untersucht wird.
00:37:38: Vielen dank für die Einladung!
00:37:40: Ihnen liebe Zuhörerinnen danke ich wie immer fürs zuhören.
00:37:43: Wenn Sie mehr über die Menschen und Geschichten hinter den Beständen der HAB erfahren möchten, verpassen sie auch unsere nächsten Folgen nicht.
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00:37:57: Tschüss und bis bald!
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